Kadenz
Akkordfolge, die einen formalen Abschluss bildet.
Was es bedeutet
Eine Kadenz ist eine Akkordfolge, die einen Abschnitt harmonisch gliedert oder abschließt. Das Wort kommt vom lateinischen „fallen" und meint das Absinken zur Ruhe. Die Grundform der tonalen Musik ist die Folge T–S–D–T (I–IV–V–I): Von der Tonika weg zur Subdominante, weiter zur Dominante, zurück zur Tonika. In ihr sind alle Hauptfunktionen enthalten, und sie bestimmt die Tonart eindeutig.
Musikalische Verwendung
Nach ihrem Schluss werden mehrere Kadenzarten unterschieden. Der authentische Schluss führt von der Dominante zur Tonika und ist der stärkste; der Plagalschluss führt von der Subdominante zur Tonika und wirkt weich; der Halbschluss bleibt auf der Dominante stehen und öffnet; der Trugschluss führt von der Dominante zu einem Vertreter der Tonika und täuscht die Erwartung. Die phrygische Kadenz ist ein Halbschluss mit Halbtonschritt im Bass. Kadenzen innerhalb eines Formteils heißen Binnenkadenzen; ihre abgestufte Schlusskraft gliedert die Form.
In der Musik vor der Dur-Moll-Tonalität beruhen Schlüsse nicht auf Akkordfolgen, sondern auf Stimmführungsformeln, den Klauseln, bei denen Stimmen in festgelegter Weise zum Schlusston zusammenlaufen.
Zu beachten: zweite, ganz andere Bedeutung desselben Wortes: In Konzertsätzen bezeichnet die Kadenz einen solistischen, frei gestalteten Abschnitt, der oft auf einem Quartsextakkord unter einer Fermate beginnt und in die Dominante mündet, bevor das Orchester wieder einsetzt. Sie wurde ursprünglich improvisiert, später häufig ausgeschrieben.
Man unterscheidet die authentische Kadenz, die Dominante zur Tonika führt, die plagale mit der Subdominante, den Halbschluss auf der Dominante und den Trugschluss. Die vollständige Kadenz verbindet alle Hauptfunktionen: Tonika, Subdominante, Dominante, Tonika. Kadenzen gliedern die Musik wie Satzzeichen die Sprache. Daneben bezeichnet Kadenz, italienisch cadenza, den solistischen Einschub in einem Instrumentalkonzert, der oft improvisiert wurde. ## Spielpraxis
Bestimme in jedem Stück die Kadenzen zuerst; sie sind die Gliederungspunkte der Form. Unterscheide beim Gestalten ihre Stärke — nicht jeder Schluss ist das Ende. Und führe die Stimmen in der Kadenz bewusst: Leitton aufwärts, Septime abwärts.