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Harmonik

Trugschluss

Beim Trugschluss baut die Dominante alle Spannung für einen Ganzschluss auf, doch statt der Tonika erklingt ihr Stellvertreter. In Dur ist das die Folge V–vi, in Moll V–VI. Das Ohr wird enttäuscht, die Phrase läuft weiter.

Folge in Dur
V–vi, in C-Dur G–Am
Folge in Moll
V–VI, in a-Moll E–F
Wirkung
enttäuschte Erwartung, hält die Phrase in Bewegung
Englisch
deceptive cadence
Vergleich
Ganzschluss

Die enttäuschte Erwartung

Die Seite Kadenzen beschreibt den Trugschluss (englisch deceptive cadence) als eine Folge, bei der die Dominante alle Spannung für einen Ganzschluss aufbaut. Statt der erwarteten Tonika folgt deren Stellvertreter. In Dur ist das V–vi, in Moll V–VI. Ein feiner, aber wichtiger Punkt: Die sechste Stufe in Moll ist ein Durakkord, in a-Moll das F-Dur, während sie in Dur ein Mollakkord ist (vi).

CIGVAmvi
AmiEVFVI

Der Trugschluss hält eine Phrase in Bewegung, weil das Ohr noch auf die echte Auflösung wartet. Die Seite nennt ihn ein beliebtes Mittel, um eine Schlusswirkung hinauszuzögern. Der Name kommt daher: Er täuscht das Ohr.

Warum der Stellvertreter passt

Die sechste Stufe ist die Paralleltonart der Tonika und teilt mit ihr zwei von drei Akkordtönen. Der Artikel Die Akkorde fast jedes Popsongs vorhersagen beschreibt das für Dur: Die sechste Stufe ist die Mollparallele der ersten und teilt mit ihr zwei von drei Tönen, sie kann also für die Tonika einspringen, ohne den Zusammenhang zu verlieren, bringt aber eine andere Farbe mit. Genau das macht den Trugschluss glaubhaft: Er klingt nach Zuhause, ist es aber nicht ganz.

In C-Dur führt G nach Am: Der Bass geht von g nach a, die Oberstimmen führen dicht, im Hörbeispiel etwa h nach a und d nach c. Der Akkord Am enthält c und e wie die Tonika C, nur das a statt g ist neu.

Selbst ausprobieren: Spiele auf Gitarre oder Klavier C – G – C und danach C – G – Am. Beide Folgen beginnen gleich, der Schluss aber klingt völlig verschieden. Auf der Seite Kadenzen kannst du beide Fassungen auch hören.
SchlussFolgeWirkung laut Seite Kadenzen
Ganzschluss (authentisch)V–Istärkster, endgültigster Schluss, der Leitton zieht in den Grundton
PlagalschlussIV–Iweicher, feierlicher, „Amen-Schluss“
Halbschlussendet auf Voffenes Ende, wie ein Fragezeichen
TrugschlussV–vi, in Moll V–VIenttäuschte Erwartung, die Phrase läuft weiter

Der Trugschluss im Vergleich

Die Tabelle zeigt die vier Schlussformen der Seite Kadenzen nebeneinander. Der Ganzschluss ist der stärkste, endgültigste Schluss. Der Plagalschluss kommt von der Subdominante und klingt weicher und feierlicher. Der Halbschluss endet auf der Dominante und lässt die Phrase wie mit einem Fragezeichen offen. Der Trugschluss steht dazwischen: Er sieht aus wie ein Ganzschluss, endet aber woanders.

Häufige Fehler

  • Trugschluss in Moll wie in Dur lesen: In Moll folgt auf V die sechste Stufe als Durakkord (V–VI), in Dur als Mollakkord (V–vi).
  • Jede Abweichung für einen Trugschluss halten: Er ist die Folge V–vi (oder V–VI), nicht jede unerwartete Fortsetzung.
  • Den Stellvertreter für den Schluss spielen: Wer nach einem Trugschluss stehenbleibt, lässt das Stück offen.