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Harmonik

Plagalschluss

Subdominante zur Tonika, ohne Leitton. Bekannt als Amen-Schluss der Choräle.

Was es bedeutet

Der Plagalschluss ist die Schlusswendung von der Subdominante zur Tonika, S–T (IV–I). Er ist der harmonische Oberbegriff für diese Wendung; wird sie am Ende eines Chorals auf die Silben des „Amen" gesungen, spricht man von der Amen-Kadenz.

Musikalische Verwendung

Kennzeichnend ist, was fehlt: der Leitton. Beim authentischen Schluss steigt die Terz der Dominante als Leitton zum Grundton auf, und der Tritonus des D7 löst sich auf. Beim Plagalschluss gibt es diese Spannung nicht. Der Grundton der Tonika ist bereits in der Subdominante als Quinte enthalten und bleibt liegen, während die übrigen Stimmen schrittweise in die Tonika sinken. Das Ergebnis ist ein weicher, bestätigender Schluss ohne Zielkraft.

Daraus ergibt sich seine übliche Stellung: Er folgt häufig einem bereits erreichten authentischen Schluss als zusätzliche Bestätigung, gleichsam als Nachwort. Als alleiniger Schluss eines größeren Satzes wirkt er dagegen oft zu schwach. Außerhalb der Kirchenmusik ist die Wendung in Gospel, Soul und weiten Teilen der populären Musik verbreitet, wo sie als ruhiger Ausklang dient; dort steht auch die Mollsubdominante vor einer Durtonika, was dem Schluss eine besondere Färbung gibt.

Abzugrenzen ist der Plagalschluss vom authentischen Schluss, der mit Leitton zur Tonika führt, und vom Halbschluss, der auf der Dominante offen bleibt. Mit der plagalen Kirchentonart hat er nur den Namen gemeinsam.

Weitere Bezeichnungen

Das Adjektiv plagal hat zwei Bedeutungen, die auseinanderzuhalten sind: In der Kadenzlehre meint es die Wendung Subdominante–Tonika, in der Lehre der Kirchentonarten die Form eines Modus, deren Tonraum unter die Finalis reicht (siehe Plagaltonart). Beide gehen auf dasselbe griechische Wort zurück, bezeichnen aber verschiedene Sachverhalte.

Spielpraxis

Nimm den Tonikaklang am Ende dynamisch zurück und lass den Subdominantklang breiter stehen — die Wendung lebt vom ruhigen Absinken. Halte den gemeinsamen Ton ruhig. Und gestalte den Plagalschluss nach einem authentischen Schluss als Nachklang, nicht als neuen Höhepunkt.