Zum Inhalt springen
Harmonik

Ganzschluss

Authentische Kadenz mit Tonika auf gutem Taktteil.

Was es bedeutet

Der Ganzschluss ist eine Kadenz, die auf der Tonika endet und damit einen Abschnitt harmonisch abschließt. Meist ist er ein authentischer Schluss D–T (V–I), bei dem die Tonika auf einem schweren Taktteil eintritt. Sein Gegenstück ist der Halbschluss, der auf der Dominante offen stehen bleibt.

Musikalische Verwendung

Die beiden Begriffe bilden ein Paar, das für die Formgliederung grundlegend ist. In der Periode endet der Vordersatz typischerweise mit einem Halbschluss und der Nachsatz mit einem Ganzschluss — die Frage bleibt offen, die Antwort schließt. Diese Abfolge ist eine der verbreitetsten Gliederungen tonaler Musik und in Liedern, Tanzsätzen und Themen der Klassik allgegenwärtig.

Wie endgültig ein Ganzschluss wirkt, hängt von seiner Beschaffenheit ab. Stehen Dominante und Tonika in Grundstellung und liegt der Grundton in der Oberstimme, ist der Schluss vollkommen und eignet sich für das Ende eines Stückes. Liegt im Schlussakkord die Terz oder Quinte oben, oder steht ein Akkord in Umkehrung, wirkt er schwächer und kann als Binnenkadenz dienen. Die Stellung im Takt trägt zur Wirkung bei: Eine Tonika auf schwerem Taktteil schließt fester als eine auf leichtem.

die Terminologie in den Lehrwerken nicht ganz einheitlich ist: Teils wird der Ganzschluss mit dem authentischen Schluss gleichgesetzt, teils weiter gefasst, sodass auch der Plagalschluss als Ganzschluss gilt, weil er ebenfalls auf der Tonika endet.

Der Ganzschluss steht am Ende von Perioden, Formteilen und Sätzen und markiert den vollständigen Abschluss eines musikalischen Gedankens. In der Funktionstheorie wird er als Folge D–T notiert, meist vorbereitet durch die Subdominante. Wie stark er wirkt, hängt von Lage und metrischer Position ab. ## Spielpraxis

Unterscheide beim Gestalten zwischen Ganz- und Halbschlüssen — die einen schließen, die anderen öffnen, und das soll hörbar sein. Nimm den Schlussklang eines Ganzschlusses ruhig und ohne Nachdruck. Und spare die volle Schlusswirkung für die Stellen auf, an denen die Form tatsächlich endet.