Harmonisches Moll
Das harmonische Moll ist die Molltonleiter mit erhöhter siebter Stufe. Dadurch entsteht ein Leitton, und der Dominantakkord wird zum Durakkord. Der Preis ist ein Schritt von anderthalb Tönen zwischen sechster und siebter Stufe.
- Aufbau
- natürliches Moll mit erhöhter 7. Stufe
- Stufenfolge
- 1 – ½ – 1 – 1 – ½ – 1½ – ½
- Wirkung
- Leitton, Dominante wird Dur
- Nebenwirkung
- übermäßige Sekunde zwischen 6. und 7. Stufe
- Verwandt
- Natürliches Moll, Melodisches Moll
Der geborgte Leitton
Die natürliche Molltonleiter hat keinen Leitton. Der Artikel Der Leitton erklärt es an a-Moll: Zwischen g und a liegt ein Ganzton, die Dominante wäre damit e–g–h, also ein Moll-Dreiklang, und der zieht nicht. Deshalb erhöhen Komponisten in Moll die siebte Stufe künstlich: aus g wird gis, aus Em wird E-Dur. Diese Tonleiter heißt harmonisch Moll.
a-Moll harmonisch
Aus g wird gis. Die siebte Stufe liegt nun einen Halbton unter dem Grundton und zieht nach a. Zwischen f und gis steht der Sprung von anderthalb Tönen.
e-Moll harmonisch
Dasselbe Muster auf einem anderen Grundton: Die siebte Stufe heißt hier dis statt d, der Sprung liegt zwischen c und dis. Die Vorzeichnung von e-Moll enthält schon fis, das dis kommt als Versetzungszeichen hinzu.
Die Startseite fasst es so zusammen: Die siebte Stufe wird erhöht, damit die Dominante stärker zur Tonika zieht. Die Übungsseite zum Tonleitern-Hören zeigt den Bauplan: Das natürliche Moll folgt dem Muster Ganz, Halb, Ganz, Ganz, Halb, Ganz, Ganz. Das harmonische Moll erhöht die siebte Stufe um einen Halbton.
Der Preis: die übermäßige Sekunde
Die erhöhte siebte Stufe hat eine Nebenwirkung. Zwischen f und gis in a-Moll entsteht ein Abstand von anderthalb Tönen, eine übermäßige Sekunde. Der Artikel nennt den Schritt charakteristisch, sperrig und schwer zu singen. Er gibt dem harmonischen Moll seinen orientalisch anmutenden Beiklang.
Weil dieser Sprung in einer Melodie stören kann, gibt es als dritte Variante das melodische Moll: Aufwärts werden sechste und siebte Stufe erhöht, abwärts kehrt die Leiter zur natürlichen Form zurück.
Em oder E? Der Unterschied im Klang
Der Unterschied liegt nur in einem Ton, aber er ändert den Charakter des Schlusses. Vergleiche beide Fassungen:
Im ersten Beispiel steht in der Mitte der Moll-Dreiklang Em. Er schließt weich und ohne Zug. Im zweiten Beispiel steht E-Dur mit dem Leitton gis, und der Schluss nach a-Moll klingt entschieden. Die Seite Stufenakkorde beschreibt dieselbe Gegenüberstellung: Im natürlichen Moll ist die fünfte Stufe ein Moll-Akkord, dem der Leitton fehlt. Für eine funktionierende Schlusswirkung erhöht man die siebte Stufe.
Was sich in den Akkorden ändert
Wird die siebte Stufe erhöht, ändern sich drei Akkorde der Tonart. Die übrigen vier bleiben gleich. Die Tabelle zeigt die Änderungen in a-Moll:
| Stufe | Natürliches Moll | Harmonisches Moll |
|---|---|---|
| III | C c–e–g | C+ c–e–gis, übermäßig |
| v / V | Em e–g–h | E e–gis–h |
| VII / vii° | G g–h–d | Gis° gis–h–d, vermindert |
Die Kadenzen-Seite hält fest, dass in Moll die Dominante für einen wirksamen Schluss von v (Moll) zu V (Dur) erhöht wird, also zu harmonisch Moll. Siehe auch Ganzschluss.
Der Artikel Der verminderte Septakkord zeigt eine Folge: Baut man in a-Moll auf der siebten Stufe gis einen Vierklang aus Terzen, ergibt sich gis–h–d–f, ein verminderter Septakkord. Er ist ein Nebenprodukt des geborgten Leittons, eine Stufe, die es im natürlichen Moll gar nicht gibt.
Harmonisches Moll in Notenblättern
In echten Stücken tritt die erhöhte siebte Stufe oft als einzelnes Versetzungszeichen auf. Zwei Beispiele aus dem Archiv:
Klavier
-
Für Elise Ludwig van Beethoven, WoO 59 · Klavier · 3 Seiten
Im 3/8-Takt, „Poco moto“ über dem ersten System. In Takt 3 steht in der rechten Hand e–gis–h, links e und gis: der E-Dur-Dreiklang mit dem Leitton gis. In Takt 4 folgt in der linken Hand a–e–a, der Schluss nach a-Moll.
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Menuett g-Moll BWV Anh. 115, aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach · Klavier · 1 Seite
Zwei b in der Vorzeichnung, 3/4-Takt, g-Moll. In Takt 7 steht in der linken Hand a–fis–g, in den Takten 27, 29 und 31 steht fis im Verlauf, obwohl die Vorzeichnung nur b und es enthält. Kurz vor dem Schluss in Takt 31 führt fis zum g. Das PDF vermerkt, dass das Stück Christian Petzold zugeschrieben wird.
Häufige Fehler
- Die Erhöhung in die Vorzeichnung schreiben: Das gis steht immer als Versetzungszeichen im Takt, nie am Zeilenanfang. Es gilt bis zum Taktstrich.
- Die übermäßige Sekunde als „Terzsprung“ lesen: Zwischen f und gis liegen anderthalb Töne, auf dem Klavier klingt das wie eine kleine Terz. Notiert wird es dennoch als Sekunde.
- Harmonisches und melodisches Moll verwechseln: Das harmonische Moll erhöht nur die siebte Stufe und gilt in beide Richtungen. Das melodische erhöht aufwärts die sechste und die siebte Stufe.
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Verwandte Begriffe
Natürliches MollMelodisches MollMollLeittonÜbermäßige Sekundea-MollDominanteStufenakkordTonleiterGanzschlussÄolisch
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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