Tonleiter
Stufenweise Tonfolge innerhalb der Oktave.
Was es bedeutet
Eine Tonleiter ordnet den Tonvorrat einer Musik in stufenweiser Folge innerhalb einer Oktave. Sie ist keine Musik, sondern eine Ordnung: eine Übersicht darüber, welche Töne zur Verfügung stehen und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen. Entscheidend ist dabei nicht die Zahl der Töne allein, sondern die Verteilung der Abstände.
Musikalische Verwendung
Aus dieser Verteilung ergibt sich alles Weitere. Sind alle Schritte gleich groß — wie in der Ganzton- und der chromatischen Leiter —, hebt sich kein Ton hervor, und es gibt kein Zentrum. Sind sie ungleich verteilt, wie in der diatonischen Leiter mit ihren fünf Ganz- und zwei Halbtönen, bekommt jede Stufe einen eigenen Charakter, und daraus entsteht das Gefälle, auf dem Kadenz und Tonalität beruhen.
Die gebräuchlichen Skalen sind zahlreich: Dur und die drei Formen von Moll, die Kirchentonarten, die Pentatonik in ihren Ausprägungen, die Blues-Tonleiter, außereuropäische Ordnungen wie die Ragas und die südindischen Grundskalen. Sie unterscheiden sich in Tonzahl, Abständen und darin, ob sie auf- und abwärts gleich verlaufen.
Tonleitern Beschreibungen sind, keine Vorschriften: Sie fassen zusammen, was eine Musik verwendet, und sind aus ihr abgeleitet, nicht umgekehrt. Bei Ragas etwa greift die Beschreibung als Tonleiter deutlich zu kurz.
Als Grundmaterial der Melodik liegen Tonleitern fast jeder Musik zugrunde. Wichtig sind neben Dur und Moll die Kirchentonarten, die Pentatonik, die Ganztonleiter und die chromatische Leiter. ## Weitere Bezeichnungen
Französisch heißt die Tonleiter gamme, italienisch scala. Gamme geht auf den griechischen Buchstaben Gamma zurück, mit dem im Mittelalter der tiefste Ton des Tonsystems bezeichnet wurde; scala bedeutet wörtlich Treppe oder Leiter.
Spielpraxis
Übe Tonleitern mit einer musikalischen Absicht — auf Gleichmäßigkeit in Klang und Länge, mit Blick auf die Halbtonstellen, mit Führung zum Grundton hin. Zwanzig gedankenlose Wiederholungen bringen weniger als fünf aufmerksame. Benenne die Stufen beim Üben; das Stufendenken ist die Grundlage für Transponieren, Analysieren und Improvisieren.