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Tonleiter

Kirchentonart

Kirchentonarten sind sieben modale Tonleitern aus denselben sieben Tönen, die sich allein durch den Bezugston unterscheiden. Sie stammen aus der mittelalterlichen Musiktheorie. Ionisch entspricht Dur, Äolisch dem natürlichen Moll; die übrigen fünf klingen eigenständig.

Sieben Modi aus sieben Tönen

Spielt man auf dem Klavier nur die weißen Tasten von c bis c, klingt C-Dur. Spielt man dieselben Tasten von d bis d, klingt etwas anderes: dieselben Töne, aber ein anderer Bezugspunkt, und damit liegen die Halbtonschritte an anderer Stelle relativ zum Grundton. So entstehen die sieben Kirchentonarten. Ionisch ist identisch mit Dur, Äolisch mit natürlichem Moll. Lokrisch bleibt eine Randerscheinung, weil der Dreiklang auf seinem Grundton vermindert ist und damit kein stabiles Zentrum bildet.

ModusWeiße Tasten abUnterschied zu Dur oder Moll
Ionischcidentisch mit Dur
DorischdMoll mit erhöhter sechster Stufe
PhrygischeMoll mit erniedrigter zweiter Stufe
LydischfDur mit erhöhter vierter Stufe
MixolydischgDur mit erniedrigter siebter Stufe
Äolischaidentisch mit natürlichem Moll
LokrischhMoll mit erniedrigter zweiter und fünfter Stufe

Die Namen stammen aus der mittelalterlichen Musiktheorie, die sie von griechischen Bezeichnungen übernommen hat, allerdings unter einem Missverständnis. Was die Griechen „dorisch“ nannten, ist nicht das, was heute so heißt. Die Namen der Kirchentöne sind Etiketten aus dem Mittelalter; ionisch und äolisch kamen erst 1547 bei Glarean hinzu, lokrisch ist bis heute vor allem theoretisch. Das mittelalterliche System kennt acht Kirchentöne (authentisch und plagal, siehe Hypodorisch); hier geht es um die sieben Modi auf den weißen Tasten.

Der eine Ton, der den Modus kenntlich macht

Statt sieben Tonleitern auswendig zu lernen, merkt man sich, worin jeder Modus von Dur oder Moll abweicht. Es ist jeweils genau ein Ton, und der ist es auch, den man beim Hören sucht.

Dorisch auf d

d e f g a h c d 1 ½ 1 1 1 ½ 1

Die weißen Tasten von d bis d. Markiert ist die erhöhte sechste Stufe h, die dorisch von natürlichem Moll unterscheidet.

Mixolydisch auf g

g a h c d e f g 1 1 ½ 1 1 ½ 1

Die weißen Tasten von g bis g. Markiert ist die erniedrigte siebte Stufe f, die mixolydisch von Dur unterscheidet. Es fehlt der Leitton.

Klingt es nach Dur, aber die Siebte zieht nicht? Mixolydisch. Klingt es nach Moll, aber die Sexte ist hell? Dorisch. Klingt es nach Moll, und der zweite Ton ist verdächtig nah am Grundton? Phrygisch, der Halbton über dem Grundton trägt den spanischen Flamenco-Klang. Ohne Leitton zielt die Kadenz nicht mehr, sie kommt an, ohne gezogen zu werden. Vor etwa 1600 war der Leitton keine Selbstverständlichkeit. Mehr dazu auf der Seite Der Leitton.

Häufige Fehler

  • Modi als Fingerübung behandeln: „Dorisch ist die Dur-Tonleiter ab der zweiten Stufe“ stimmt, führt aber dazu, dass man weiter in Dur denkt.
  • Den Bezugston verlieren: Ohne Bordun, Basston oder klare Phrasierung hört niemand einen Modus.
  • Die charakteristische Stufe meiden: Ein dorisches Stück ohne die erhöhte Sexte ist einfach Moll.