Kirchentonart
Modale Tonleiter aus dem Mittelalter.
Was es bedeutet
Kirchentonart bezeichnet eine der modalen Tonleitern, nach denen die Musik des Mittelalters und der frühen Neuzeit geordnet ist. Alle Modi schöpfen aus demselben diatonischen Tonvorrat; was sie unterscheidet, ist der Ton, auf dem sie schließen, und damit die Lage der Halbtonschritte innerhalb der Leiter.
Musikalische Verwendung
Die Modi lassen sich am einfachsten auf den Stammtönen darstellen: von d aus Dorisch, von e aus Phrygisch, von f aus Lydisch, von g aus Mixolydisch, von a aus Äolisch, von c aus Ionisch. Der Modus von h aus, Lokrisch, ist in der alten Praxis nicht gebräuchlich, weil über seiner Finalis keine reine Quinte liegt; er erscheint erst in späteren theoretischen Aufstellungen.
Jeder Modus hat seinen eigenen Charakter, und dieser beruht allein auf der Lage der Halbtöne: die tiefe zweite Stufe in Phrygisch, die hohe vierte in Lydisch, die tiefe siebte in Mixolydisch, die hohe sechste in Dorisch. Wer diese Kennzeichen kennt, erkennt die Modi im Hören.
Über die alte Musik hinaus sind die Modi lebendig geblieben — in Volksmusik, in Folk, im modalen Jazz, in Film- und Popmusik. Dort werden sie meist als Skalen über einem Grundton gebraucht, ohne den liturgischen Zusammenhang und ohne die Unterscheidung von authentisch und plagal.
Weitere Bezeichnungen
Kirchenton ist die kürzere, gleichbedeutende Bezeichnung; sie wird oft für den einzelnen Modus gebraucht („der erste Kirchenton“), während Kirchentonart eher das System meint. In der mittelalterlichen Theorie werden die Töne durchnummeriert: authentische und plagale Formen wechseln sich ab, sodass der erste Ton dorisch, der zweite hypodorisch ist.
Spielpraxis
Übe die Modi auf demselben Grundton nacheinander, nicht auf verschiedenen Stammtönen: Nur so tritt hervor, welcher Ton den Unterschied ausmacht. Singe jede Leiter und präge dir den kennzeichnenden Ton ein. Und phrasiere modale Musik nicht wie tonale — ohne Leitton gibt es kein Kadenzgefälle, auf das hingespielt werden könnte.