Hypodorisch
Plagale Form des dorischen Modus (2. Kirchenton).
Was es bedeutet
Hypodorisch ist die plagale Form des dorischen Modus und gilt als zweiter Kirchenton. Die Tonleiter besteht aus denselben Tönen wie die dorische, doch der Tonraum, in dem sich eine Melodie bewegt, liegt eine Quart tiefer als beim authentischen dorischen Modus, während der Grundton, der Finalis, derselbe bleibt.
Musikalische Verwendung
Im System der acht Kirchentonarten unterscheidet man authentische und plagale Modi: Die authentischen bewegen sich vom Grundton aufwärts über eine Oktave, die plagalen, erkennbar an der Vorsilbe „Hypo-“, von einer Quart unterhalb des Grundtons bis zu einer Quint darüber. Hypodorisch ist damit dem authentischen Dorisch zugeordnet, teilt dessen Finalis und dessen Rezitationston in abgewandelter Form, unterscheidet sich aber im Ambitus, also im genutzten Tonraum der Melodie.
Abzugrenzen ist Hypodorisch vom authentischen Dorisch, mit dem es Grundton und Tonvorrat teilt, sich aber im Melodieverlauf unterscheidet, sowie von Hypophrygisch, der plagalen Form des phrygischen Modus mit anderem Grundton. Verwechslungsgefahr besteht vor allem zwischen den plagalen Formen benachbarter authentischer Modi.
Spielpraxis
Erkenne beim Studium gregorianischer Melodien den Modus zunächst am Grundton, also am Schlusston, und dann am Ambitus: Bewegt sich die Melodie überwiegend über oder unter diesem Ton, liegt ein authentischer oder ein plagaler Modus vor. Singe die Melodie mit Blick auf den tieferen Tonraum des Hypodorischen bewusst ruhiger und gebundener als eine entsprechende dorische Melodie.