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Tonleiter

Plagaltonart

Eine Plagaltonart ist ein Kirchenton, dessen Tonraum die Finalis in der Mitte hat: Er reicht von einer Quarte unter bis zu einer Quinte über der Finalis, statt von der Finalis aufwärts. Zu jedem der vier authentischen Modi gehört ein plagaler mit derselben Finalis. Sein Name wird mit der Vorsilbe „hypo-“ gebildet.

Tonraum (Ambitus)
Quarte unter bis Quinte über der Finalis
Nummern
2, 4, 6, 8 (die geraden Kirchentöne)
Vorsilbe
hypo-
Nicht zu verwechseln mit
Plagalschluss

Authentisch und plagal

Das System der acht Kirchentöne enthält die vier Tonleitern Dorisch, Phrygisch, Lydisch und Mixolydisch je zweimal, einmal authentisch und einmal plagal. Die authentische Form bewegt sich von der Finalis, dem Schlusston, etwa eine Oktave aufwärts. Die plagale Form hat dieselbe Finalis, aber ihr Tonraum reicht etwa eine Quarte unter die Finalis bis zur Quinte darüber. Die Finalis liegt dann in der Mitte. Plagale Modi tragen die Vorsilbe „hypo-“ und in der mittelalterlichen Zählung die geraden Nummern zwei, vier, sechs und acht.

Hypodorisch: Finalis d, Tenor f

a h c d e f g a

Von der Quarte unter d (a) bis zur Quinte darüber (a′). Markiert sind die Finalis d und der Tenor f.

Hypophrygisch: Finalis e, Tenor a

h c d e f g a h

Von h bis h′. Finalis ist e, der Tenor a.

Hypolydisch: Finalis f, Tenor a

c d e f g a h c

Von c′ bis c″. Finalis ist f, der Tenor a. In der Praxis wird das h oft zu b erniedrigt, um den Tritonus zur Finalis zu vermeiden.

Hypomixolydisch: Finalis g, Tenor c

d e f g a h c d

Von d′ bis d″. Finalis ist g, der Tenor c.

Im Glossar: Kirchentonart · Finalis · Ambitus

Woran man den Unterschied erkennt

Der Tonvorrat ist in beiden Formen derselbe: Hypodorisch besteht aus denselben Tönen wie Dorisch. Unterschieden werden die Formen deshalb nicht durch Vorzeichen, sondern durch zwei andere Merkmale. Erstens durch den Ambitus, den Tonraum der Melodie. Zweitens durch den Tenor oder Rezitationston (Repercussa), um den die Melodie kreist und auf dem rezitiert wird. Er liegt in plagalen Modi tiefer als in den authentischen.

Nr.Plagaler ModusFinalisTenorTonraum
2Hypodorischdfa–a′
4Hypophrygischeah–h′
6Hypolydischfac′–c″
8Hypomixolydischgcd′–d″

Wer nur die Vorzeichen ansieht, kann authentische und plagale Formen nicht unterscheiden. In der Notation sind sie identisch. Erst Ambitus und Schwerpunkt der Melodie geben Auskunft. Die Tabelle zeigt die traditionellen Tenöre, in der Praxis sind Abweichungen und Erweiterungen des Tonraums um wenige Töne üblich.

Wozu das nützte

Für die liturgische Praxis ist die Unterscheidung wesentlich, weil zu jedem der acht Töne eine eigene Psalmformel gehört. Eine Antiphon im zweiten Ton verlangt eine andere Formel als eine im ersten, obwohl beide auf demselben Ton schließen.

Plagal im Wortsinn

Das Wort „plagal“ meint in anderem Zusammenhang etwas anderes: Der Plagalschluss bezeichnet die Wendung von der Subdominante zur Tonika (IV–I) und hat mit dem Ambitus nichts zu tun. Gemeinsam ist beiden nur das griechische Wort, das „schräg“ oder „seitlich“ bedeutet.

Zum Üben: Spiele die vier Notenzeilen am Klavier auf den weißen Tasten. Singe dann jede Melodie so, dass sie sich vor allem um die Finalis herum und nach unten bewegt, und höre, wie sich das von einer Melodie unterscheidet, die immer höher steigt.