Lydisch
Dur mit erhöhter vierter Stufe; klingt offen und weit.
Was es bedeutet
Der lydische Modus verläuft auf den Stammtönen von f nach f. Gegenüber Dur unterscheidet er sich in einem einzigen Ton: Die vierte Stufe liegt einen Halbton höher, sodass über dem Grundton eine übermäßige Quarte steht. Dieser Ton gibt der Tonart ihren offenen, weiten, schwebend-hellen Klang.
Musikalische Verwendung
In der Ordnung der Kirchentöne ist Lydisch der fünfte Modus; die plagale Form heißt Hypolydisch. In der überlieferten Praxis wurde die erhöhte vierte Stufe allerdings häufig durch musica ficta erniedrigt, weil sie zusammen mit dem Grundton den als sperrig empfundenen Tritonus bildet. Der Modus näherte sich dadurch dem späteren Dur an, und die Quellen sind darin uneinheitlich — in wissenschaftlichen Ausgaben ist die Entscheidung an kleinen Vorzeichen über dem System erkennbar.
Außerhalb der alten Musik ist Lydisch außerordentlich lebendig. In Volksmusik einzelner Regionen erscheint die hohe vierte Stufe regelmäßig; im Jazz gehört die lydische Skala zum Bestand der Akkord-Skalen-Zuordnung; und in der Filmmusik ist der lydische Klang ein geläufiges Mittel für Weite, Höhe und Staunen — was mit der Offenheit des Klangs unmittelbar zu tun hat.
Abzugrenzen ist Lydisch von Ionisch, dem es bis auf die vierte Stufe gleicht. Dieser eine Ton ist das ganze Kennzeichen, und er will beim Spielen hörbar bleiben.
In der mittelalterlichen Ordnung ist Lydisch der fünfte Kirchenton. Seine übermäßige Quarte über der Finalis wurde in der Praxis oft durch b ersetzt, sodass der Modus wie F-Dur klang. In der modalen Jazz-Improvisation ist Lydisch die bevorzugte Skala über Dur-Septakkorden mit großer Septime. In der Filmmusik nutzt man die erhöhte Quarte für schwebende, staunende Wirkungen. ## Spielpraxis
Achte auf die vierte Stufe — sie ist der Ton, der entscheidet, und das Ohr neigt dazu, sie unwillkürlich zu erniedrigen. Lass lydischen Stellen Zeit; ihre Wirkung liegt im Schweben, nicht im Vorwärtsdrängen. Und übe den Modus auf demselben Grundton im Vergleich mit Dur, damit der Unterschied sich einprägt.