Dur
Tongeschlecht mit großer Terz über dem Grundton.
Was es bedeutet
Dur ist eines der beiden Tongeschlechter der abendländischen Musik seit dem 17. Jahrhundert. Sein Kennzeichen ist die große Terz über dem Grundton: Der Dreiklang auf der Tonika ist ein Durdreiklang, und die zugehörige Tonleiter folgt der Ordnung ganz-ganz-halb-ganz-ganz-ganz-halb. Das Wort geht auf das lateinische durus, hart, zurück und stammt aus der mittelalterlichen Bezeichnung des „harten b".
Musikalische Verwendung
Der Vorgänger ist der ionische Modus, der erst spät in das System der Kirchentonarten aufgenommen wurde. Durchgesetzt hat sich Dur, weil seine Leiter von sich aus einen Leitton unter dem Grundton enthält und damit ein Kadenzgefälle, das die funktionale Harmonik trägt.
Jede Durtonart hat eine Mollparallele mit derselben Vorzeichnung, deren Grundton eine kleine Terz tiefer liegt. Welche von beiden gemeint ist, zeigt nicht die Vorzeichnung, sondern die Musik. Auf den Stufen der Durtonleiter stehen drei Dur-, drei Moll- und ein verminderter Dreiklang.
Die verbreitete Gleichsetzung von Dur mit heiterem und Moll mit traurigem Ausdruck ist eine Vereinfachung. Sie trifft im Mittel, doch zahllose Beispiele widersprechen: Es gibt schmerzliche Dursätze und tänzerische Mollstücke, und in Volksmusiken vieler Länder ist die Zuordnung gänzlich anders. Der Wechsel zwischen beiden Geschlechtern ist ein eigenes Ausdrucksmittel — die pikardische Terz etwa lässt ein Mollstück auf einem Durakkord schließen.
Weitere Bezeichnungen
Im Englischen heißt das Tongeschlecht major, im Italienischen maggiore. Die englische Tonartbezeichnung stellt den Grundton voran und schreibt ihn groß („C major“), zudem weichen die Tonnamen ab (B major entspricht H-Dur). Maggiore steht in italienischen Partituren auch als Abschnittsüberschrift, wenn ein Mollsatz in einen Durteil wechselt.
Spielpraxis
Gestalte Dur nicht automatisch hell und freundlich — prüfe, was die Musik tatsächlich verlangt. Achte auf die große Terz in der Intonation: Sie wird tiefer genommen, als das Klavier sie spielt, damit der Klang ruhig wird. Und nimm den Leitton eng an den Grundton.