Paralleltonart
Dur-/Mollverwandte mit gleichem Vorzeichen.
Was es bedeutet
Zwei Tonarten heißen parallel, wenn sie dieselbe Vorzeichnung haben und verschiedenen Tongeschlechts sind. Die Mollparallele liegt eine kleine Terz unter dem Durgrundton: a-Moll zu C-Dur, e-Moll zu G-Dur, g-Moll zu B-Dur. Beide Tonarten schöpfen aus demselben Tonvorrat; verschieden ist nur, welcher Ton als Zentrum wirkt.
Musikalische Verwendung
Weil die Vorzeichnung nichts darüber sagt, welche der beiden gemeint ist, muss die Musik es zeigen: durch den Schlusston, durch die Betonung der Tonika und vor allem durch den Leitton, der in Moll als Versetzungszeichen im Takt erscheint. Ein Stück mit zwei Kreuzen ist erst dann als h-Moll erkennbar, wenn das ais auftaucht.
Der Wechsel in die Paralleltonart ist die einfachste Modulation überhaupt, weil kein Vorzeichen geändert werden muss; es genügt, das Zentrum zu verschieben. Deshalb ist sie in vielen Formen das erste Ziel einer Ausweichung, besonders in Mollstücken, deren Mittelteile häufig in der Durparallele stehen. In der Funktionstheorie wird der Parallelklang eigens bezeichnet und gilt als Vertreter der Hauptfunktion, zu der er gehört.
Zu unterscheiden ist die Paralleltonart von der Varianttonart, die denselben Grundton bei anderem Tongeschlecht hat — C-Dur und c-Moll. Dort bleibt der Grundton und die Vorzeichnung ändert sich um drei Zeichen; hier bleibt die Vorzeichnung und der Grundton wechselt. Im englischen Sprachgebrauch sind die Begriffe vertauscht, was beim Übersetzen zu Missverständnissen führt.
Die Paralleltonarten haben dieselben Vorzeichen, ihre Grundtöne liegen eine kleine Terz auseinander: C-Dur und a-Moll, G-Dur und e-Moll. Englisch heißt die Paralleltonart relative key. Die Modulation in die Paralleltonart ist in Dur-Moll-Musik häufig. Im Quintenzirkel werden Paralleltonarten meist im inneren Kreis neben der zugehörigen Durtonart dargestellt.
Spielpraxis
Bestimme bei jedem Stück, ob Dur oder Moll gemeint ist, bevor du beginnst; die Vorzeichnung allein genügt nicht. Achte auf den Wechsel in die Parallele — er verändert die Färbung, ohne dass ein neues Vorzeichen erscheint, und wird beim Spielen leicht überhört.