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Theorie

Quintenzirkel

Der Quintenzirkel ordnet die zwölf Tonarten im Kreis an, jeweils im Abstand einer reinen Quinte. Im Uhrzeigersinn kommt je ein Kreuz dazu, gegen den Uhrzeigersinn je ein b. Er zeigt auf einen Blick, welche Vorzeichen eine Tonart hat und welche Tonarten verwandt sind.

Schritt
reine Quinte, 7 Halbtöne
Uhrzeigersinn
je ein Kreuz mehr
Gegen den Uhrzeigersinn
je ein b mehr
Nachbarn teilen
6 von 7 Tönen

So ist der Zirkel aufgebaut

Geht man von C aus im Uhrzeigersinn, folgen G, D, A, E, H, Fis. Jeder Schritt ist eine Quinte aufwärts, und jede neue Tonart erhält genau ein Kreuz mehr. Gegen den Uhrzeigersinn führen die Schritte über F, B, Es, As, Des nach Ges, und jede Tonart erhält ein b mehr. Nach zwölf Schritten ist man wieder am Ausgangspunkt, weil sich zwölf Quinten und sieben Oktaven in gleichstufiger Stimmung genau schließen.

Dur-TonartVorzeichenParallele Moll
C-Durkeinea-Moll
G-Dur1 Kreuz (fis)e-Moll
D-Dur2 Kreuzeh-Moll
A-Dur3 Kreuzefis-Moll
E-Dur4 Kreuzecis-Moll
F-Dur1 b (b)d-Moll
B-Dur2 b (b, es)g-Moll
Es-Dur3 b (b, es, as)c-Moll
As-Dur4 b (b, es, as, des)f-Moll

Das b im Deutschen bezeichnet den Ton B♭. Benachbarte Tonarten teilen sich sechs von sieben Tönen, deshalb klingen Modulationen zwischen ihnen natürlich. C-Dur und G-Dur sind einen Quintschritt auseinander und klingen vertrauter beieinander als C-Dur und Fis-Dur.

Vorzeichen ablesen

Kreuze erscheinen in der Vorzeichnung immer in der Reihenfolge fis, cis, gis, dis, ais, eis, his. Bs stehen in genau umgekehrter Reihenfolge: b, es, as, des, ges, ces, fes. Zwei Regeln führen zur Tonart: Bei Kreuztonarten liegt die Tonika einen Halbton über dem letzten Kreuz (letztes Kreuz fis, also G-Dur). Bei b-Tonarten ist die Tonika das vorletzte b. C-Dur und F-Dur sind die beiden Ausnahmen.

Zu jeder Dur-Tonart gehört eine Paralleltonart in Moll mit gleicher Vorzeichnung. Sie beginnt drei Halbtöne unter der Durtonart. Die Varianttonart hat denselben Grundton, aber drei Töne verändert, etwa c-Moll zu C-Dur.

Akkorde im Zirkel

Der Zirkel zeigt auch die stärkste Akkordbewegung: eine Quinte abwärts, zum Beispiel G → C oder D → G. Tonika, Subdominante und Dominante, in C-Dur C, F und G, stehen im Zirkel nebeneinander. Die Folge I–V–vi–IV liegt komplett in einem Zirkelabschnitt, deshalb klingen diese Loops so vertraut. Mehr zu den Funktionen auf der Seite Stufenakkorde.

Geschichte und Stimmung

Wer zwölf reine Quinten übereinanderstapelt, verfehlt sieben Oktaven um das pythagoreische Komma von etwa 23,46 Cent. Erst die gleichstufige Stimmung lässt den Kreis schließen. Die erste bekannte Zeichnung eines Quintenzirkels steht in der Abhandlung „Grammatika“ von Nikolai Diletsky (Ende der 1670er Jahre); Johann David Heinichen stellte ihn später und unabhängig davon in einem Generalbasstraktat von 1711 dar. Die Fundstelle dazu ist die Seite Quintenzirkel einfach erklärt.

Zum Üben: In der Quintenzirkel-Übung beantwortest du kurze Fragen: Welche Tonart liegt an einer Position, wie viele Vorzeichen hat sie, welche liegt eine Quinte darüber oder darunter. Gehe im Kopf den Zirkel ab, statt zu raten. Im Modul Vorzeichen & Tonarten bestimmst du die Tonart aus der Vorzeichnung.

Häufige Fehler

  • Quinte mit Quarte verwechseln: Im Uhrzeigersinn geht der Zirkel eine Quinte aufwärts, gegen den Uhrzeigersinn eine Quinte abwärts (eine Quarte aufwärts).
  • Parallele und Variante verwechseln: Parallele Tonarten haben gleiche Vorzeichen, Varianttonarten gleichen Grundton.
  • Enharmonische Tonarten: Fis-Dur und Ges-Dur klingen gleich, werden aber verschieden geschrieben. Komponisten wählen meist die Schreibweise mit weniger Vorzeichen, etwa H-Dur (fünf Kreuze) statt Ces-Dur (sieben b); bei Fis-Dur und Ges-Dur ist es gleich viel.