Komma
Mikrointervall, etwa pythagoreisches Komma.
Was es bedeutet
Ein Komma ist eine sehr kleine Intervalldifferenz, die entsteht, weil verschiedene Wege durch das Tonsystem nicht genau zum selben Ton führen.
Musikalische Verwendung
Zwei Kommata sind besonders wichtig. Das pythagoreische Komma ist die Differenz zwischen zwölf aufeinandergetürmten reinen Quinten und sieben Oktaven: Der Quintenzirkel schließt sich nicht, sondern endet etwas höher, als er begann. Das syntonische Komma ist die Differenz zwischen der großen Terz, die sich aus vier reinen Quinten ergibt, und der reinen großen Terz im Verhältnis 5:4; jene ist merklich weiter als diese.
Aus diesem Überschuss folgt, dass kein Stimmungssystem alle Intervalle rein haben kann. Jedes verteilt die Differenz anders: Die mitteltönige Stimmung verengt die Quinten, um viele Terzen rein zu bekommen, und nimmt dafür unbrauchbare entlegene Tonarten in Kauf. Wohltemperierte Stimmungen verteilen ungleich, sodass alle Tonarten spielbar bleiben und jede einen eigenen Charakter behält. Die gleichstufige Stimmung verteilt gleichmäßig auf alle zwölf Quinten: Jede ist geringfügig zu eng, jede große Terz merklich zu weit, dafür klingt jede Tonart gleich.
Für Instrumente mit beweglicher Intonation bleibt das Komma eine lebendige Größe: Ein gis als Leitton liegt dort höher als ein as als erniedrigte Stufe, obwohl das Klavier beide gleich spielt.
Das pythagoreische Komma entsteht zwischen zwölf reinen Quinten und sieben Oktaven, das syntonische Komma zwischen vier reinen Quinten und einer reinen großen Terz plus zwei Oktaven. ## Weitere Bezeichnungen
Comma ist die lateinische und englische Form des Wortes. In der Stimmungslehre steht es für die kleinen Differenzen zwischen rein berechneten Intervallen, etwa das pythagoreische und das syntonische Komma; in Vokalnoten meint ein kommaförmiges Zeichen dagegen ein Atemzeichen. Welche Bedeutung gilt, ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Spielpraxis
Verlass dich beim Intonieren auf Schwebungen statt auf Anzeigen: Wird ein Zusammenklang rein, wird er ruhig. Nimm Leittöne eng an ihr Ziel und Durterzen eher tief. Und wundere dich nicht, wenn eine Passage gegen das Klavier leicht abweicht — im Ensemble ohne Tasteninstrument ist die reinere Lösung die richtige.