Obertonreihe
Reihe der ganzzahligen Teiltöne.
Was es bedeutet
Ein schwingender Körper schwingt nicht nur als Ganzes, sondern gleichzeitig in Hälften, Dritteln, Vierteln und weiteren Teilen. Die dabei entstehenden Töne heißen Teiltöne; ihre Frequenzen sind ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz. Gemeinsam bilden sie die Obertonreihe, die über jedem Grundton in derselben Ordnung liegt.
Musikalische Verwendung
Die Abstände nehmen nach oben hin ab: Über dem Grundton folgen zunächst die Oktave, dann die Quinte, dann wieder eine Oktave, danach die große Terz, die Quinte, und weiter oben rücken die Töne zu Sekundschritten zusammen. Daraus erklären sich mehrere Erscheinungen.
Erstens die Klangfarbe: Welche Teiltöne wie stark hervortreten, bestimmt den Charakter eines Klangs — viele hohe Teiltöne klingen hell und schneidend, wenige weich.
Zweitens die Konsonanz: Intervalle, die weit unten in der Reihe erscheinen, beruhen auf einfachen Zahlenverhältnissen und klingen ruhig. Oktave, Quinte und Terz sind genau diese.
Drittens die Naturinstrumente: Naturhorn und Naturtrompete verfügen nur über die Töne dieser Reihe. Daraus ergeben sich ihre Eigenheiten — in tiefer Lage große Lücken, in hoher Lage eine spielbare Skala. Die Hornquinten sind eine unmittelbare Folge davon.
Viertens die Grenzen der Stimmung: Einzelne Teiltöne, etwa der siebte, weichen von den Tönen unseres Tonsystems merklich ab und lassen sich nicht in ihm darstellen.
Die Frequenzen der Obertöne sind ganzzahlige Vielfache des Grundtons. Die Intervalle zwischen benachbarten Teiltönen werden nach oben immer kleiner: Oktave, Quinte, Quarte, große Terz, kleine Terz. Welche Obertöne wie stark ausgeprägt sind, bestimmt die Klangfarbe eines Instruments. Klarinetten betonen etwa die ungeraden Teiltöne, was ihren hohlen Klang ausmacht. ## Spielpraxis
Nutze die Reihe beim Intonieren: Wenn ein Zusammenklang rein ist, decken sich Teiltöne und die Schwebungen hören auf. Streicher können Flageoletttöne als hörbaren Beleg spielen; am Klavier lässt sich der Effekt zeigen, indem man eine Taste stumm niederdrückt und einen tieferen verwandten Ton kräftig anschlägt. Und arbeite an der Klangfarbe über den Ansatz — er entscheidet darüber, welche Teiltöne ansprechen.