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Theorie

Reine Stimmung

Reine Stimmung legt die Intervalle einer einzigen Tonart exakt nach den einfachen Frequenzverhältnissen fest: Terz 5:4, Quinte 3:2. In dieser Tonart klingt alles makellos. Moduliert man, wird es unerträglich, denn einzelne Intervalle geraten um mehr als 20 Cent daneben.

Prinzip
einfache Frequenzverhältnisse
Beispiele
Oktave 2:1, Quinte 3:2, Quarte 4:3, große Terz 5:4, kleine Terz 6:5
Stärke
makellos in einer Tonart, keine Schwebungen
Grenze
Modulation in andere Tonarten
Gegenstück
gleichstufige Stimmung (zwölf gleiche Halbtöne)

Makellos in einer Tonart

Der Artikel Warum dein Klavier leicht verstimmt ist ordnet die reine Stimmung unter drei Antworten auf das pythagoreische Komma ein. Sie legt die Intervalle einer Tonart exakt nach einfachen Verhältnissen fest und funktioniert deshalb nur in dieser einen Tonart. Für Chöre a cappella ist sie dennoch der Normalfall, weil Sänger die Tonhöhe laufend anpassen können.

Der physikalische Hintergrund steht auf der Seite Intervalle üben: Die Oktave ist 2:1, die reine Quinte 3:2, die reine Quarte 4:3, die große Terz in reiner Stimmung 5:4. Je einfacher das Verhältnis, desto ruhiger und verschmolzener wirkt der Zusammenklang.

IntervallReines VerhältnisGleichstufig gegenüber rein
Quinte3:22 Cent zu tief
Große Terz5:414 Cent zu hoch
Kleine Terz6:516 Cent zu tief

Die Tabelle fasst Zahlen aus den Artikeln Warum dein Klavier leicht verstimmt ist und Die Terz als Schalter zusammen: In der gleichstufigen Stimmung liegt die Quinte 2 Cent zu tief, was niemand hört, und die große Terz 14 Cent zu hoch, was man hört. Umgekehrt liegt in reiner Stimmung die große Terz 14 Cent tiefer als auf dem Klavier, die kleine Terz 16 Cent höher.

Im Ensemble

Der Artikel Die Terz als Schalter gibt eine praktische Regel für Bläser und Sänger: Wer im Ensemble die Terz eines Akkords spielt, stimmt sie hörbar ein, statt dem Stimmgerät zu folgen. Wenn das Schweben verschwindet, ist es richtig, und dann steht der Zeiger eben nicht auf null. Laut dem Artikel Der Leitton liegt der Leitton in pythagoreischer Stimmung etwas höher als auf dem Klavier; in reiner Stimmung (15:8) liegt er dagegen rund 12 Cent tiefer. Die Chorpraxis, ihn hoch zu singen, folgt eher dem pythagoreischen Leitton.

Die Seite Intervalle zeigt, wie reines Verhältnis und Gitarrenbund zusammenhängen: Die Bünde folgen der gleichstufigen Stimmung; der reine Halbton 16:15 ist das Gegenstück zum gleichstufigen Bundabstand.

Selbst ausprobieren: Mit dem Stimmgerät auf der Seite Werkzeuge siehst du die Abweichung in Cent. Ein sauber gestimmter Terzklang im Ensemble zeigt rund 14 Cent neben der Anzeige.

Häufige Fehler

  • Reine Stimmung für „besser“ halten: Sie gilt für eine Tonart, nicht für alle.
  • Dem Stimmgerät in der Terz folgen: Das Stimmgerät misst gegen das gleichstufige Raster.
  • Die Quinte für das Problem halten: Sie weicht gleichstufig nur um 2 Cent ab, die Terz um 14.