Große Terz
Vier Halbtöne, Verhältnis 5:4. Sie macht einen Dreiklang zu Dur.
Was es bedeutet
Die große Terz umfasst vier Halbtöne; ihr reines Frequenzverhältnis ist 5:4, und sie erscheint verhältnismäßig weit unten in der Obertonreihe. Ihre musikalische Bedeutung liegt darin, dass sie das Tongeschlecht entscheidet: Ein Dreiklang mit großer Terz über dem Grundton ist Dur, einer mit kleiner Terz Moll. Ein einziger Halbton trennt beides.
Musikalische Verwendung
Als unvollkommene Konsonanz darf die Terz parallel geführt werden und bildet damit die Grundlage einfacher Mehrstimmigkeit — der Satz aus Melodie und Unterterz ist weltweit verbreitet. Historisch war das nicht immer so: Das frühe Mittelalter kannte nur Oktave, Quinte und Quarte als vollwertige Zusammenklänge, und die Terz setzte sich erst im 14. und 15. Jahrhundert durch. Mit ihr veränderte sich der Klang der europäischen Musik grundlegend, denn erst der Terzklang macht den Dreiklang zum Grundbaustein.
Für die Intonation ist die große Terz besonders empfindlich. In der gleichstufigen Stimmung ist sie merklich weiter als die reine; Ensembles ohne Tasteninstrument nehmen sie deshalb tiefer, damit der Durakkord ruhig wird. In der mitteltönigen Stimmung wurde die Reinheit der Terzen sogar zum Maßstab, für den man die Quinten verengte.
Abzugrenzen ist die große Terz von der verminderten Quarte, die klanglich gleich, in Schreibweise und Funktion aber verschieden ist.
In der pythagoreischen Stimmung ist die große Terz deutlich größer als 5:4 und klingt rau, was die mittelalterliche Einstufung als unvollkommene Konsonanz erklärt. Die mitteltönige Stimmung der Renaissance hielt die großen Terzen rein, auf Kosten anderer Intervalle. Im gleichstufigen System ist die große Terz etwas größer als rein. ## Spielpraxis
Nimm die große Terz im Durakkord tiefer, als das Klavier sie spielt, und höre auf das Verschwinden der Schwebungen — das ist der wirksamste einzelne Eingriff in die Intonation eines Ensembles. Bei parallelen Terzen gleicht Ansatz und Länge an, damit sie als ein Klang wirken. Und übe das Hören des Unterschieds zwischen großer und kleiner Terz gezielt; darauf beruht das Erkennen von Dur und Moll.