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Theorie

Wohltemperiert

Wohltemperiert bezeichnet Stimmungen, in denen alle Tonarten brauchbar klingen, ohne dass alle Halbtöne gleich groß sind. Der Begriff ist durch Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ bekannt. Gemeint ist dabei nicht die gleichstufige Stimmung, sondern eine ungleich verteilte Temperatur.

Bedeutung
alle Tonarten spielbar, jede mit eigenem Charakter
Nicht gleich
gleichstufige Stimmung (zwölf gleiche Halbtöne)
Bekanntestes Werk
Bach, Das Wohltemperierte Klavier (1722 und 1742)
Gegenstück
mitteltönige Stimmung mit Wolfsquinte

Alle Tonarten, aber nicht alle gleich

Auf der Seite Quintenzirkel steht: Johann Sebastian Bach machte sich für die neuen wohltemperierten Stimmungen stark, indem er mit dem „Wohltemperierten Klavier“ (1722 und 1742) je ein Präludium und eine Fuge in allen 24 Dur- und Molltonarten schrieb. Er wollte zeigen, dass nun jede Tonart auf einem einzigen Instrument musikalisch spielbar war. „Wohltemperiert“ meinte dabei nicht die gleichstufige Stimmung, sondern Stimmungen, in denen alle Tonarten brauchbar klingen.

StimmungMerkmal laut Artikel zur StimmungFolge
Reine StimmungIntervalle einer Tonart exakt reinin einer Tonart makellos, Modulation unerträglich
MitteltönigTerzen rein, Quinten etwas kleinerwarm, aber eine „Wolfsquinte“, manche Stücke nicht spielbar
Wohltemperiertungleich verteilte Temperaturalle Tonarten spielbar, jede mit eigenem Charakter
Gleichstufigalle Halbtöne gleichalle Tonarten gleich gut und gleich unvollkommen

Der Artikel Warum dein Klavier leicht verstimmt ist führt es weiter: Bachs Werk geht durch alle 24 Tonarten, was auf einem mitteltönig gestimmten Instrument unmöglich gewesen wäre. „Wohltemperiert“ meint dabei ausdrücklich nicht „gleichstufig“, sondern eine ungleich verteilte Temperatur, in der alle Tonarten spielbar sind, aber jede ihren eigenen Charakter behält. Dass B-Dur anders klingt als H-Dur, war für Bachs Publikum hörbar.

Warum das nötig wurde

Der Grund ist das pythagoreische Komma: Zwölf reine Quinten übertreffen sieben Oktaven um etwa 23 Cent. Jede Stimmung muss diesen Fehler irgendwo unterbringen. Die mitteltönige Stimmung macht laut Artikel die großen Terzen rein und verkleinert jede Quinte ein wenig, mit der Folge einer einzigen, grässlich verstimmten Wolfsquinte. Die gleichstufige Stimmung verteilt das Komma vollkommen gleichmäßig, seit dem 19. Jahrhundert Standard. Siehe Pythagoreisches Komma und Reine Stimmung.

Selbst ausprobieren: Lies auf der Seite Quintenzirkel die Geschichte vom Zirkel nach: Erst die gleichstufige Stimmung lässt die zwölf Quinten zu einem perfekten Kreis schließen. In der Quintenzirkel-Übung beantwortest du kurze Fragen zum Zirkel.

Häufige Fehler

  • Wohltemperiert und gleichstufig gleichsetzen: Wohltemperiert meint ungleiche Verteilung, bei der jede Tonart ihren Charakter behält.
  • Bach gleichstufig gestimmt denken: Laut Artikel meint „wohltemperiert“ ausdrücklich nicht „gleichstufig“.
  • Unterschiede der Tonarten für Einbildung halten: Bachs Publikum hörte sie bei wohltemperierten Instrumenten.