Wohltemperiert
System der zwölfstufigen Stimmung.
Was es bedeutet
Wohltemperiert heißt eine Stimmung, in der alle zwölf Tonarten brauchbar sind, ohne dass alle gleich klingen. Sie verteilt die unvermeidliche Differenz zwischen reinen Intervallen — das Komma — ungleichmäßig auf die Quinten, sodass häufig gebrauchte Tonarten reiner klingen und entlegene zwar rauer, aber spielbar bleiben. Damit unterscheidet sie sich von zwei anderen Lösungen.
Musikalische Verwendung
Die mitteltönige Stimmung, in der Renaissance und im frühen Barock verbreitet, verengt die Quinten stark, um möglichst viele reine große Terzen zu gewinnen. Das Ergebnis klingt in den gebräuchlichen Tonarten außerordentlich wohltuend, macht aber entlegene Tonarten unbrauchbar — dort entsteht die sogenannte Wolfsquinte.
Die gleichstufige Stimmung, heute allgemein üblich, verteilt die Differenz gleichmäßig auf alle zwölf Quinten. Jede Quinte ist geringfügig zu eng, jede große Terz merklich zu weit, dafür klingen alle Tonarten gleich und beliebige Modulation ist möglich. Der Preis ist, dass keine Tonart einen eigenen Charakter behält.
Wohltemperierte Stimmungen liegen dazwischen und waren im 18. Jahrhundert in mehreren Varianten in Gebrauch. Sie ermöglichen das Spiel in allen Tonarten und erhalten zugleich deren unterschiedliches Gepräge — ein Umstand, der die verbreitete Rede vom Charakter der Tonarten erklärt. „wohltemperiert" und „gleichstufig" bedeuten nicht dasselbe; die Gleichsetzung ist verbreitet, aber unzutreffend.
Im 17. und 18. Die Tonarten behalten dabei unterschiedliche Färbungen. Bachs Wohltemperiertes Klavier nutzt alle 24 Tonarten, schreibt aber keine bestimmte Stimmung vor; ob gleichstufige oder ungleichstufige Temperatur gemeint war, ist umstritten. ## Spielpraxis
Wenn du ein Cembalo oder eine Orgel in historischer Stimmung spielst, mach dir vorher klar, welche Tonarten rein und welche rau klingen — die Wahl der Stücke richtet sich danach. Im Ensemble ohne Tasteninstrument intoniere frei nach Schwebungen, auch wenn das vom Klavier abweicht. Und höre bei Aufnahmen älterer Musik bewusst auf den Unterschied; er erklärt manches, was sonst wie Unsauberkeit klingt.