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Theorie

Enharmonische Verwechslung

Von einer enharmonischen Verwechslung spricht man, wenn zwei verschieden geschriebene Töne auf dem Klavier dieselbe Taste ergeben, zum Beispiel cis und des. In gleichstufiger Stimmung klingen sie identisch, theoretisch sind sie verschieden. Der Name richtet sich nach der Funktion im Zusammenhang.

Bedeutung
zwei Namen für dieselbe Tonhöhe
Beispiele
cis = des, fis = ges, h = ces, fisis = g
Voraussetzung
gleichstufige Stimmung
Regel
Der Name folgt der Funktion, nicht der Tonhöhe
Tonartenpaare
Fis-Dur/Ges-Dur, Cis-Dur/Des-Dur, H-Dur/Ces-Dur

Ein Ton, zwei Namen

Die Übungsseite Enharmonik erklärt den Begriff: Gefragt wird nach der enharmonischen Entsprechung eines Tons, also nach dem anderen Namen für dieselbe Tonhöhe. In der gleichstufigen Stimmung, die sich im Lauf des 19. Jahrhunderts als Standard durchgesetzt hat, ist die Oktave in zwölf exakt gleich große Halbtöne geteilt. Dadurch fallen Töne zusammen, die theoretisch verschieden sind: cis und des klingen identisch, His und C ebenfalls.

Der Name folgt der Funktion

Praktisch entscheidet der Zusammenhang über den Namen. Ein Ton, der nach oben aufgelöst werden will, wird als erhöhter Ton geschrieben, einer, der nach unten strebt, als erniedrigter. Deshalb steht in einer Kadenz nach D-Dur ein cis und nicht ein des. Die Seite Noten benennen ergänzt: In A-Dur heißt der dritte Ton cis und nicht des, obwohl beide dieselbe Taste sind. Das Prinzip: Eine Tonleiter verwendet jeden Stammtonbuchstaben genau einmal. Schriebe man des, käme der Buchstabe D zweimal vor und C gar nicht. Die Notation zeigt damit nicht nur die Tonhöhe, sondern auch die Absicht.

Kreuztonartb-TonartVorzeichen
Fis-DurGes-Dur6 Kreuze = 6 b
Cis-DurDes-Dur7 Kreuze = 5 b
H-DurCes-Dur5 Kreuze = 7 b

Am unteren Rand des Zirkels

Die Seite Quintenzirkel zeigt drei Tonartenpaare, die dieselben Töne beschreiben, aber unterschiedlich notiert sind. Komponisten wählen wann immer möglich die Schreibweise mit weniger Vorzeichen: Des-Dur mit fünf b wird fast immer Cis-Dur mit sieben Kreuzen vorgezogen. Tonarten jenseits von sieben Vorzeichen, wie Gis-Dur oder Fes-Dur, existieren nur auf dem Papier und werden umgeschrieben, um Doppelkreuze oder Doppel-b zu vermeiden. Siehe Des-Dur, Fis-Dur und Gis-Dur.

Umdeutung als Mittel der Modulation

Der Artikel Der verminderte Septakkord zeigt, warum die enharmonische Umdeutung mehr ist als Spitzfindigkeit: Derselbe Klang wird anders geschrieben, und die Schreibweise legt fest, wohin er zieht. Der Akkord c–es–ges–a löst sich nach Des-Dur auf, wenn man c als Leitton nimmt, nach E-Dur, wenn man den Ton es als dis liest, nach G-Dur über ges als fis und nach B-Dur über a. Vier Tonarten, ein Klang, kein einziger geänderter Ton.

Warum es nicht „dasselbe“ ist

Die Seite Enharmonik weist darauf hin, dass die Töne theoretisch nicht gleich sind: Historische Instrumente mit getrennten Tasten für cis und des hat es gegeben. Die gleichstufige Stimmung ist ein Kompromiss, der alle Tonarten spielbar macht und jede minimal verstimmt. Mehr unter Pythagoreisches Komma.

Selbst ausprobieren: In der Enharmonik-Übung beginnst du mit einfachen Paaren wie cis und des. Später kommen Doppelvorzeichen dazu: Zu fis ist ges die Entsprechung, zu fisis aber g, und zu ceses ist es b.

Häufige Fehler

  • Nur den Klang beachten: cis und des klingen auf dem Klavier gleich, in der Schrift gehört jede Schreibweise in ihren Zusammenhang.
  • Dem Doppelvorzeichen ausweichen: Solche Fälle wirken konstruiert, folgen aber zwingend aus dem System.
  • Beide Schreibweisen in einer Tonart mischen: Eine Tonart schreibt man mit Kreuzen oder mit b.