Enharmonische Verwechslung
Umdeutung eines Tons bei gleicher Tonhöhe, z. B. cis zu des.
Was es bedeutet
Die enharmonische Verwechslung bezeichnet die Umdeutung eines Tons in eine andere Schreibweise bei gleichbleibender klingender Tonhöhe, etwa wenn cis zu des oder fis zu ges umbenannt wird. In der heute gebräuchlichen gleichstufigen Stimmung klingen beide Schreibweisen identisch, obwohl sie in reiner oder mitteltöniger Stimmung ursprünglich geringfügig unterschiedliche Tonhöhen bezeichneten.
Im Notenbild
Im Notenbild zeigt sich die enharmonische Verwechslung durch einen Wechsel des Notennamens und des zugehörigen Versetzungszeichens bei gleicher Taste oder Griffposition am Instrument, etwa wenn dieselbe schwarze Taste am Klavier je nach harmonischem Zusammenhang als cis oder als des notiert wird.
Musikalische Verwendung
Komponisten nutzen die enharmonische Verwechslung gezielt, um harmonisch weit entfernte Tonarten miteinander zu verbinden, ohne dass sich der klingende Ton tatsächlich ändert: Ein verminderter Septakkord etwa lässt sich durch enharmonische Umdeutung eines einzelnen Tons in vier verschiedene Tonarten auflösen. Auch beim Wechsel zwischen Kreuz- und B-Tonarten im Quintenzirkel, etwa zwischen Fis-Dur und Ges-Dur, kommt die enharmonische Verwechslung zum Tragen, da beide Tonarten auf temperierten Instrumenten identisch klingen.
Abzugrenzen ist die enharmonische Verwechslung von der tatsächlichen Modulation, die eine reale harmonische Bewegung in eine neue Tonart beschreibt, während die enharmonische Verwechslung lediglich die Schreibweise, nicht aber die klingende Tonhöhe selbst verändert. In nicht gleichstufigen Stimmsystemen, etwa der reinen Stimmung, ist die enharmonische Verwechslung streng genommen keine reine Umdeutung, da die betroffenen Töne dort tatsächlich geringfügig verschiedene Frequenzen besitzen.
Spielpraxis
Erkenne beim Notenlesen enharmonisch verwechselte Töne daran, dass sie auf deinem Instrument dieselbe Taste, denselben Bund oder dieselbe Grifflochkombination erfordern, auch wenn sie unterschiedlich benannt und notiert sind. Achte bei Tasteninstrumenten darauf, dass sich an der Spieltechnik durch die enharmonische Verwechslung nichts ändert, während bei manchen Blas- und Streichinstrumenten mit nicht temperierter Stimmung feine Intonationsunterschiede bewusst hörbar gemacht werden können.