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Intervall

Reine Intervalle

Prim, Quart, Quint, Oktav.

Was es bedeutet

Als rein werden Prime, Quarte, Quinte und Oktave bezeichnet. Diese vier Intervalle gibt es nicht in großer und kleiner Form — anders als Sekunde, Terz, Sexte und Septime —, sondern nur in einer Gestalt, die bei Veränderung übermäßig oder vermindert heißt. Der Grund liegt in ihren einfachen Frequenzverhältnissen: 1:1, 4:3, 3:2 und 2:1. Sie erscheinen weit unten in der Obertonreihe und verschmelzen deshalb besonders stark.

Musikalische Verwendung

In der Satzlehre gelten Prime, Quinte und Oktave als vollkommene Konsonanzen mit den entsprechenden Folgen: Parallelbewegung in ihnen ist verboten, weil dabei die Selbständigkeit der Stimmen verlorengeht. Die Quarte nimmt eine Sonderstellung ein — zwischen Oberstimmen konsonant, über dem Bass als dissonant behandelt.

Historisch war diese Gruppe lange der gesamte Bestand vollgültiger Zusammenklänge. Die frühe Mehrstimmigkeit des Organums kennt nur Oktave, Quinte und Quarte; die Terz setzte sich erst im 14. und 15. Jahrhundert durch und veränderte den Klang der europäischen Musik grundlegend.

Bei der Umkehrung bleiben reine Intervalle rein: Aus der Quarte wird die Quinte, aus der Prime die Oktave. Wird eines von ihnen um einen Halbton erweitert, heißt es übermäßig, wird es verkleinert, vermindert — verminderte Quinte und übermäßige Quarte sind die bekanntesten Fälle.

Reine Intervalle heißen so, weil sie nur in einer Normalform vorkommen und nicht wie Terzen oder Sexten in großer und kleiner Form. Sie können übermäßig oder vermindert werden. In der Obertonreihe entstehen sie zwischen den ersten vier Teiltönen. Ihre einfachen Frequenzverhältnisse erklären, warum sie seit der Antike als besonders wohlklingend gelten. ## Spielpraxis

Stimme in dieser Reihenfolge: Oktaven zuerst, dann Quinten, dann erst Terzen — die reinen Intervalle geben die verlässlichsten Bezugspunkte, weil ihre Schwebungen am deutlichsten hörbar sind. Nimm sie ohne Vibrato, wenn du prüfst. Und nutze sie im Gehörtraining als Anker, von denen aus sich die übrigen Intervalle herleiten lassen.