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Theorie

Naturtöne

Naturtöne sind die Töne, die in jedem Klang einer schwingenden Saite oder Luftsäule mitschwingen: der Grundton und seine ganzzahligen Vielfachen. Auf der Gitarre kann man sie als Flageolett einzeln hörbar machen, indem man die Saite leicht an bestimmten Teilungspunkten berührt.

Reihe
1., 2., 3. … Naturton = Vielfache der Grundfrequenz
Auf der Gitarre
Flageolett an 1/2, 1/3, 1/4 … der Saitenlänge
Beispiel
hohe E-Saite, 329,63 Hz
Verwandt
Oberton, Teilton, Klangfarbe

Was in jedem Ton mitschwingt

Die Seite Intervalle beschreibt es im Abschnitt „Obertonreihe“ jedes Intervalls: Eine angeschlagene Saite produziere nicht nur ihren Grundton, sondern lasse eine ganze Reihe von Obertönen mitschwingen. Genau diese Obertonstruktur unterscheide eine Geige von einer Trompete oder einer Stimme. Die offene Saite sei bereits der erste Naturton; alle höheren Naturtöne, also Oktave, Quinte, große Terz, kleine Septime und so weiter, seien in diesem Grundton enthalten und prägten seine Klangfarbe.

Naturtöne der hohen E-Saite

e e h e gis h

Die Naturtöne 1 bis 6 über dem Grundton e′: Oktave, Oktave plus Quinte, zwei Oktaven, zwei Oktaven plus große Terz, zwei Oktaven plus Quinte. Markiert sind der 3. und der 5. Naturton, zwei der am leichtesten zu erzeugenden Flageolett-Töne der Gitarre.

Flageolett: die Reihe hörbar machen

Berührt man die Saite sehr leicht an einem Teilungspunkt und schlägt sie gleichzeitig an, klingt ein einzelner Naturton. Die Seite Intervalle nennt die Positionen und Ergebnisse für die hohe E-Saite (329,63 Hz):

NaturtonLage über dem GrundtonBerührung der Saite beiTon auf der hohen E-Saite
3.Oktave + reine Quinte1/3 oder 2/3 (über dem 7. Bund)h, ca. 989 Hz
4.zwei Oktaven1/4 oder 3/4e, ca. 1319 Hz
5.zwei Oktaven + große Terz1/5, 2/5, 3/5 oder 4/5gis, ca. 1648 Hz
6.zwei Oktaven + reine Quinte1/6 oder 5/6h, ca. 1978 Hz
8.drei Oktaven1/8, 3/8, 5/8 oder 7/8e, ca. 2637 Hz

Der 3. Naturton ist nach der Oktave der bekannteste Flageolett-Ton und liegt auf der Gitarre direkt über dem 7. (oder 19.) Bund. Der 5. Naturton gehöre zu den am leichtesten produzierbaren überhaupt. Zum 9. Naturton gehöre die Berührung bei 1/9, 2/9 oder 4/9, aber nicht bei 3/9, denn dort klingt der 3. Naturton.

Zusammenhang mit den Intervallen

Die Verhältnisse reiner Intervalle stehen in der Reihe selbst: 2:1 für die Oktave, 3:2 zwischen dem 2. und 3. Naturton für die Quinte, 4:3 zwischen dem 3. und 4. für die Quarte, 5:4 zwischen dem 4. und 5. für die große Terz. Der Artikel Warum die Quinte hohl klingt nennt die Quinte den dritten Teilton der Obertonreihe: Wer eine Quinte spielt, verdoppelt also nur, was ohnehin mitklingt.

Nicht alles lässt sich als Naturton darstellen. Der Tritonus liegt nach der Seite Intervalle nicht in der natürlichen Reihe. Der 7. Naturton (Verhältnis 7:4) liegt etwa 31 Cent tiefer als die gleichstufige kleine Septime: Die Reihe und die gleichstufige Stimmung stimmen nicht in allem überein.

Selbst ausprobieren: Berühre die hohe E-Saite leicht über dem 7. Bund, ohne sie herunterzudrücken, und schlage sie an. Der hohe, glockenartige Ton ist der 3. Naturton. Wiederhole es über dem 5. Bund (4. Naturton) und über dem 4. Bund (5. Naturton).