Naturtonleiter
Obertonreihe als Skala.
Was es bedeutet
Als Naturtonleiter bezeichnet man die Folge der Töne, die ein Instrument ohne Klappen, Ventile oder Grifflöcher hervorbringen kann — also die Obertonreihe über einem Grundton, in der Reihenfolge ihrer Teiltöne gespielt. Sie ist keine Tonleiter im üblichen Sinn, weil ihre Abstände nach oben hin immer kleiner werden: Zuerst Oktave und Quinte, dann Terzen, weiter oben Sekundschritte.
Musikalische Verwendung
Für Naturhorn, Naturtrompete, Alphorn und verwandte Instrumente ist das der gesamte verfügbare Tonvorrat. Daraus folgen ihre Eigenheiten unmittelbar: In tiefer Lage stehen nur wenige, weit auseinanderliegende Töne zur Verfügung, in hoher Lage dagegen eine nahezu vollständige Skala. Deshalb liegen die melodischen Passagen der älteren Trompeten- und Hornliteratur hoch, während tiefe Töne für Signale und Stützklänge gebraucht werden. Auch die Hornquinten erklären sich unmittelbar aus dieser Beschränkung.
Einige Naturtöne weichen von den Tönen des üblichen Tonsystems merklich ab; der siebte ist der bekannteste Fall und klingt gegenüber der kleinen Septime deutlich tiefer. Auf Naturinstrumenten wurde das durch Stopfen oder Lippenkorrektur ausgeglichen — oder als charakteristischer Klang stehengelassen, was in Alphornmelodien geradezu zum Kennzeichen geworden ist.
Mit der Einführung von Ventilen und Klappen verloren diese Instrumente ihre Beschränkung, und die Naturtonleiter trat als Gestaltungsprinzip zurück.
Die Tonfolge entspricht den Obertönen über einem Grundton; ab dem achten Teilton liegen die Töne schrittweise nebeneinander. Einige dieser Töne, besonders der siebte, elfte und dreizehnte, weichen deutlich von der temperierten Stimmung ab. Naturtrompete und Naturhorn können nur Naturtöne spielen, was ihre Melodik im Barock bestimmte. Auch Alphorn und Obertongesang beruhen auf diesem Material. ## Spielpraxis
Wenn du ältere Bläserliteratur spielst, sieh dir die Obertonreihe des jeweiligen Stimmtons an — sie erklärt, warum eine Stelle so aussieht, wie sie aussieht. Bei Naturinstrumenten gilt: Die abweichenden Töne verlangen eine Entscheidung, ob sie korrigiert oder stehengelassen werden; triff sie bewusst und halte sie im ganzen Stück durch.