Dur-Tonleiter
Folge ganz-ganz-halb-ganz-ganz-ganz-halb.
Was es bedeutet
Die Durtonleiter besteht aus sieben Stufen, deren Abstände der Folge ganz-ganz-halb-ganz-ganz-ganz-halb gehorchen. Die Halbtonschritte liegen also zwischen der dritten und vierten sowie zwischen der siebten und achten Stufe. Diese Verteilung ist entscheidend: Sie erzeugt die große Terz über dem Grundton, die das Tongeschlecht bestimmt, und den Leitton unter dem Grundton, der die Kadenz trägt.
Im Notenbild
Auf den Stammtönen ergibt sich diese Folge von c aus ohne Vorzeichen. Jede andere Durtonleiter braucht Vorzeichen, damit das Muster erhalten bleibt — und daraus entsteht der Quintenzirkel: Jede Quinte aufwärts fügt ein Kreuz hinzu, jede Quinte abwärts ein B. Die Vorzeichnung am Zeilenanfang benennt den Tonvorrat, nicht die Tonart selbst; dieselbe Vorzeichnung gilt für eine Durtonart und ihre Mollparallele.
Musikalische Verwendung
Seit dem 17. Jahrhundert ist Dur neben Moll das beherrschende Tongeschlecht der abendländischen Musik. Sein Vorgänger ist der ionische Modus, der erst spät in das System der Kirchentonarten aufgenommen wurde, obwohl die Praxis ihn längst kannte.
Die Stärke des Systems liegt im Kadenzgefälle: Auf der fünften Stufe steht die Dominante mit dem Leitton, auf der vierten die Subdominante, auf der ersten die Tonika. Aus jeder Stufe lässt sich ein leitereigener Dreiklang bilden — drei Dur-, drei Moll- und ein verminderter, letzterer auf der siebten Stufe.
Die verbreitete Zuschreibung, Dur klinge heiter und Moll traurig, ist eine Vereinfachung: Sie trifft im Mittel, aber zahllose Beispiele widersprechen ihr.
Die Durtonleiter entspricht dem ionischen Modus. Sie lässt sich in zwei gleich gebaute Tetrachorde zerlegen, die durch einen Ganztonschritt verbunden sind: c–d–e–f und g–a–h–c. Diese Eigenschaft erklärt den Quintenzirkel, denn der obere Tetrachord einer Tonart ist der untere der nächsten. ## Spielpraxis
Übe Tonleitern mit Blick auf die Halbtonstellen, nicht nur als Fingerarbeit — dort liegt der Charakter. Nimm den Leitton eng an den Grundton. Und benenne beim Üben die Stufen, statt nur Töne abzuspielen; das Stufendenken ist die Grundlage für Transponieren und Analysieren.