Phrygisch
Moll mit erniedrigter zweiter Stufe; der Halbton direkt über dem Grundton trägt den Flamenco-Klang.
Was es bedeutet
Der phrygische Modus verläuft auf den Stammtönen von e nach e. Sein Kennzeichen ist die tiefe zweite Stufe: Sie liegt nur einen Halbton über der Finalis. Gegenüber natürlichem Moll ist das der einzige Unterschied — und er prägt den Klang so stark, dass der Modus unter allen sofort erkennbar ist.
Musikalische Verwendung
Die Wirkung beruht auf der Richtung dieses Halbtons. Während in Dur und Moll der Halbton unter dem Grundton nach oben zieht, fällt hier der Halbton über dem Grundton zu ihm herab. Daraus entsteht ein Abwärtsgefälle, das als dunkel, ernst, gelegentlich drängend empfunden wird.
In der Ordnung der Kirchentöne ist Phrygisch der dritte Modus; die plagale Form heißt Hypophrygisch. In der mehrstimmigen Musik führte er zu einer eigenen Schlusswendung: der phrygischen Kadenz, einem Halbschluss mit Quartfall im Bass, der bis weit in die Barockzeit hinein gebräuchlich blieb.
Besonders lebendig ist der phrygische Klang in der Musik Spaniens und des Mittelmeerraums geblieben. Der Flamenco beruht in weiten Teilen auf einer Wendung, die von der phrygischen Skala ausgeht, wobei über dem Grundton häufig ein Durdreiklang steht — die Verbindung aus tiefer zweiter Stufe und großer Terz ergibt einen Klang, der sich der Einordnung in Dur oder Moll entzieht.
Abzugrenzen ist Phrygisch von Lokrisch, das zusätzlich eine verminderte Quinte hat und deshalb kein Zentrum bilden kann.
Phrygisch ist der dritte Kirchenton, mit Finalis e. Durch den Halbtonschritt über der Finalis hat er einen herben, dunklen Charakter. In der spanischen Musik, besonders im Flamenco, ist der phrygische Modus mit großer Terz sehr verbreitet, und die Akkordfolge Am–G–F–E bildet dort ein Grundmodell. ## Spielpraxis
Achte auf die zweite Stufe — sie ist das Kennzeichen, und sie fällt zum Grundton, statt zu ihm hinaufzustreben. Phrasiere diese Bewegung abwärts. Und übe den Modus im Vergleich mit natürlichem Moll auf demselben Grundton; so prägt sich der Unterschied ein.