Äolisch
Kirchentonart auf A, entspricht natürlich Moll.
Was es bedeutet
Der äolische Modus ist die Tonleiter, die auf den Stammtönen von a nach a verläuft. Er entspricht dem natürlichen Moll: Die Halbtonschritte liegen zwischen zweiter und dritter sowie zwischen fünfter und sechster Stufe. Die siebte Stufe liegt einen Ganzton unter der Finalis, es gibt also keinen Leitton.
Die Schreibungen „Aeolisch“ und „Äolisch“ sind gleichwertig und bezeichnen dieselbe Tonart; die Form mit Ä gibt die griechische Herkunft des Namens deutlicher wieder.
Musikalische Verwendung
In der ursprünglichen Ordnung der Kirchentonarten kam der äolische Modus nicht vor; er wurde erst im 16. Jahrhundert zusammen mit dem ionischen in das System aufgenommen, nachdem die Praxis längst nach ihnen verfuhr. Aus beiden entwickelten sich im 17. Jahrhundert Moll und Dur als beherrschende Tongeschlechter.
Der Unterschied zum späteren Moll liegt vor allem im Leitton. Die Dur-Moll-Tonalität erhöht die siebte Stufe, um ein Kadenzgefälle zu erhalten — daraus entstehen die harmonische und die melodische Form der Molltonleiter. Der äolische Modus behält die tiefe siebte Stufe und klingt dadurch weniger zielgerichtet, weicher, altertümlicher. Genau dieser Klang wird in Volksmusik, Folk und populärer Musik gesucht, wo Moll ohne Leitton verbreitet ist.
Abzugrenzen ist Äolisch von Dorisch, das sich nur in der sechsten Stufe unterscheidet — diese liegt dort einen Halbton höher und gibt der Tonart ihren schwebenden Charakter.
Als eigener Modus wurde Äolisch erst 1547 von Heinrich Glarean in seinem Dodekachordon beschrieben, der die überlieferten acht Kirchentöne auf zwölf erweiterte. Die spätere Dur-Moll-Tonalität übernahm den äolischen Modus als Grundform des Molls, veränderte ihn aber in der Kadenz durch den Leitton. In Rock- und Popmusik, im Folk und in der Filmmusik ist die äolische Form mit ihrer kleinen Septime weiterhin verbreitet, etwa in Akkordfolgen, die ohne Dominante mit großer Terz auskommen. ## Spielpraxis
Prüfe in einem Mollstück zuerst, ob die siebte Stufe erhöht wird: Fehlt der Leitton, phrasiere nicht auf eine Kadenz hin, die es nicht gibt. Singe die Leiter und achte auf die beiden Halbtonstellen. Und widerstehe der Gewohnheit, die siebte Stufe beim Spielen unwillkürlich zu erhöhen.