Finalis
Hauptschlusston eines Modus.
Was es bedeutet
Die Finalis ist der Ton, auf dem eine modale Melodie schließt, und zugleich der Ton, nach dem der Modus benannt und bestimmt wird. Sie hat im modalen System eine ähnliche Stellung wie der Grundton in der Dur-Moll-Tonalität, doch die Wirkungsweise ist eine andere: Die Finalis ist Ziel- und Bezugspunkt, ohne dass ein Kadenzgefälle wie in der Funktionsharmonik auf sie hinführen müsste.
Musikalische Verwendung
Zur Bestimmung eines Modus gehören zwei Angaben: die Finalis und der Ambitus, also der Tonraum, in dem sich die Melodie bewegt. Liegt dieser Raum überwiegend oberhalb der Finalis, handelt es sich um einen authentischen Modus; reicht er wesentlich unter sie hinab, um einen plagalen. Beide teilen dieselbe Finalis und unterscheiden sich nur im Umfang — so gehören der dorische und der hypodorische Modus zusammen. Als dritte Kenngröße tritt der Repercussa oder Tenor hinzu: der Ton, um den die Melodie kreist und auf dem rezitiert wird; er liegt in authentischen und plagalen Formen verschieden.
Im mehrstimmigen Satz der Renaissance bleibt die Finalis der Bezugspunkt, wird aber zunehmend durch Kadenzformeln gestützt, die dem späteren Dominant-Tonika-Verhältnis nahekommen. Mit der Durchsetzung der Dur-Moll-Tonalität trat an ihre Stelle die Tonika.
Abzugrenzen ist die Finalis von der Tonika: Diese ist Zentrum eines Systems funktionaler Bezüge, jene zunächst nur Schlusston und Bezugston einer Melodie.
Neben der Finalis ist die Repercussa, der Rezitationston, der zweite Hauptton eines Modus. Authentische und plagale Modi teilen sich die Finalis und unterscheiden sich nur im Ambitus und im Rezitationston. In der Analyse gregorianischer Gesänge bestimmt die Finalis den Modus. ## Spielpraxis
Bestimme bei modaler Musik zuerst Finalis und Ambitus — beides zusammen sagt dir, welcher Modus vorliegt und wo die Melodie ihre Schwerpunkte hat. Singe die Melodie auf ihre Finalis hin und vermeide es, sie wie eine Dur- oder Mollmelodie zu phrasieren; besonders der Leitton, den das Ohr gewohnheitsmäßig erwartet, ist hier oft nicht vorhanden. Halte im Ensemble fest, welche Kadenztöne erhöht werden und welche nicht.