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Theorie

Finalis

Die Finalis ist der Schlusston einer Melodie in einer Kirchentonart. Sie ist für den Modus, was die Tonika für Dur und Moll ist: der Ton, auf dem eine Melodie zur Ruhe kommt. Zwei Modi können dieselbe Finalis haben und sich nur im Tonumfang unterscheiden.

Bedeutung
Schlusston eines Modus
Latein
finalis = „die letzte“
Mögliche Töne
d, e, f, g
Entsprechung
Tonika in Dur und Moll

Der Ton, auf dem eine Melodie endet

In der Musik des Mittelalters, besonders im gregorianischen Choral, wird eine Melodie einem Modus zugeordnet, und für diese Zuordnung zählt vor allem, auf welchem Ton sie schließt. Dieser Schlusston heißt Finalis. Er ist das Zentrum des Modus. Von ihm aus ordnet man die übrigen Töne und bestimmt, wie weit die Melodie hinauf und hinunter reicht.

Dorisch: Finalis d, Tonumfang d bis d

d e f g a h c d 1 ½ 1 1 1 ½ 1

Der erste Modus, dorisch, liegt über seiner Finalis d. Sie steht am Anfang und am Ende des Tonumfangs und ist hier markiert. Alle Töne sind Stammtöne, ohne Vorzeichen.

Hypodorisch: dieselbe Finalis, tieferer Tonumfang

a h c d e f g a 1 ½ 1 1 ½ 1 1

Der zweite Modus, hypodorisch, hat dieselbe Finalis d, liegt aber eine Quarte tiefer: Der Tonumfang reicht von a bis a. Die Finalis steht in der Mitte, nicht am Rand, und ist markiert.

Authentisch und plagal

Die mittelalterliche Lehre kennt acht Kirchentöne, geordnet in Paaren, wie die Tabelle zeigt. Die vier Hauptmodi mit den Finales d, e, f und g heißen authentisch: Ihr Tonumfang liegt über der Finalis. Zu jedem gehört ein plagaler „Nebenmodus“ mit dem Vorsatz „hypo“, der dieselbe Finalis hat, aber etwa eine Quarte tiefer liegt. Die Finalis allein unterscheidet die beiden also nicht; erst der Tonumfang, der Ambitus, tut es.

Nr.ModusFinalis
1dorischd
2hypodorischd
3phrygische
4hypophrygische
5lydischf
6hypolydischf
7mixolydischg
8hypomixolydischg

Die Zählung von eins bis acht ist die mittelalterliche. Der Schweizer Humanist Heinrich Glarean ergänzte sie 1547 in seinem „Dodekachordon“ um vier weitere Modi, darunter die auf a und c. Diese heißen heute äolisch und ionisch und entsprechen natürlichem Moll und Dur.

Finalis und Tonika

Im modernen Dur-Moll-System läuft alles auf die Tonika zu, die durch die Kadenz bestätigt wird. Die Finalis erfüllt dieselbe Aufgabe für eine einstimmige Melodie, ohne Akkorde und ohne Leitton-Funktion im späteren Sinn. Die Namen sind deshalb nicht austauschbar. Wer Choräle liest, findet den Modus über den Schlusston, und beim Hören gibt das Ende der Melodie die Orientierung.

Zum Üben: Spiele das dorische Beispiel und bleibe am Ende auf d stehen. Spiele dann dieselben Töne und höre auf, bevor du bei d ankommst, etwa auf a. Dein Gefühl für den „fehlenden“ Schluss zeigt, was die Finalis leistet. Weitere Kirchentöne hörst du im Tonleiter-Hörtraining.

Häufige Fehler

  • Finalis mit dem Anfangston gleichsetzen: Eine Melodie kann auf einem anderen Ton beginnen, geschlossen wird auf der Finalis.
  • Den Modus am Ambitus allein ablesen: Erst Finalis und Ambitus zusammen ergeben den Modus. Dorisch und hypodorisch teilen sich die Finalis d.
  • Die Finalis für den „Grundton nach Dur-Moll“ halten: Sie hat die Rolle des Schlusstons, aber keine Akkordfunktion wie die Tonika.