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Harmonik

Pikardische Terz

Die pikardische Terz ist die erhöhte Terz im Schlussakkord eines Moll-Stücks. Statt a–c–e steht am Ende a–cis–e: Das Stück endet auf Dur. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert war das die Regel und nicht die Ausnahme, ein Moll-Schluss galt als unfertig.

Wirkung
plötzliches Aufhellen im letzten Moment
Schluss in a-Moll
a–cis–e statt a–c–e
Englisch
Picardy third
Französisch
tierce de Picardie
Zeit
Renaissance bis Barock, 16. bis 18. Jahrhundert

Moll beginnt, Dur endet

Der Artikel Die Terz als Schalter nennt als auffälligsten Gebrauch der veränderten Terz die pikardische Terz: Ein Stück in Moll endet auf einem Dur-Dreiklang. Der Schlussakkord eines Satzes in a-Moll ist dann nicht a–c–e, sondern a–cis–e. Das war vom 16. bis ins 18. Jahrhundert die Regel und nicht die Ausnahme, ein Moll-Schluss galt als unfertig. Bach beendet zahlreiche Choralsätze so. Der Effekt ist ein plötzliches Aufhellen im letzten Moment, und er funktioniert auch bei Zuhörern, die nichts über Terzen wissen.

a-Moll-Schlussakkord: ohne und mit pikardischer Terz

a c e a cis e

Links Am (a–c–e), rechts A-Dur (a–cis–e). Nur die Terz ist verändert, das cis ist die pikardische Terz.

TonartMoll-SchlussMit pikardischer Terz
a-Molla–c–ea–cis–e (A-Dur)
d-Molld–f–ad–fis–a (D-Dur)

Ein Choral als Beispiel

Die Seite Kadenzen zeigt ein Beispiel in d-Moll: eine vierstimmige Schlusswendung über der Choralmelodie „O Haupt voll Blut und Wunden“ (Melodie Hans Leo Hassler). Die Schlusswendung steht in Moll, endet aber auf einem Dur-Akkord. Die Seite analysiert einen vollkommenen authentischen Ganzschluss, dem die Subdominante vorausgeht. Weil das Stück in Moll steht, wäre ein gewöhnlicher Schluss V–i mit kleinem i. Der Satz erhöht jedoch die Terz des Schlussakkords zur großen Terz, aus d-Moll wird ein strahlendes D-Dur. Genau deshalb ist die Beschriftung V–I mit großem I korrekt. Die Seite nennt die pikardische Terz ein Markenzeichen der Barockmusik: Sie verleiht Moll-Stücken einen unerwartet hellen, versöhnlichen Schluss.

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Selbst ausprobieren: Spiele E – Am und danach E – A. Beide Schlüsse bestehen aus Dominante und Tonika, nur die Terz des letzten Akkords ist verschieden. Auf der Seite Kadenzen kannst du das Choralbeispiel anhören.

Häufige Fehler

  • Den Dur-Schluss für einen Fehler halten: Er ist in der Barockmusik üblich.
  • Die Beschriftung mit kleinem i: Mit pikardischer Terz heißt der Schlussakkord I.
  • Mit Modulation verwechseln: Das Stück bleibt in Moll, nur der letzte Akkord hellt auf.