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Harmonik

Auflösung

Fortschreitung einer Dissonanz in eine Konsonanz.

Was es bedeutet

Auflösung nennt man die Fortschreitung einer Dissonanz in eine benachbarte Konsonanz. Ein Ton, der im Zusammenklang als unruhig oder spannungsvoll empfunden wird, bewegt sich meist stufenweise – oft nur einen Halb- oder Ganzton weit – in einen Ton, der zur umgebenden Harmonie passt und die Spannung löst. Erst durch die Auflösung wird ein dissonanter Klang als vorübergehend hörbar, nicht als Zielpunkt.

In welche Richtung ein dissonanter Ton aufgelöst wird, liegt meist fest: Vorhalte lösen sich in der Regel abwärts auf, Leittöne aufwärts. Wird diese Erwartung enttäuscht oder die Auflösung hinausgezögert, spricht man von einer retardierten oder ausbleibenden Auflösung.

Musikalische Verwendung

Am deutlichsten zeigt sich die Auflösung beim Vorhalt: Ein Ton aus dem vorangehenden Akkord wird über den Akkordwechsel hinweg festgehalten, bildet dort eine Dissonanz und löst sich anschließend stufenweise in einen Akkordton auf. Ähnlich verhält es sich mit Durchgangs- und Wechselnoten, auch wenn diese im strengen Sinn nicht vorbereitet werden müssen. Auch der Leitton der siebten Stufe strebt als Dissonanz zur Tonika hin aufwärts; seine Auflösung beschließt viele Kadenzen.

In der Funktionsharmonik gilt jede Septime als auflösungsbedürftige Dissonanz; im Dominantseptakkord etwa strebt die Septime abwärts zur Terz des Zielakkords. Die klassische Satzlehre behandelt die Auflösung als Regel, von der Komponisten bewusst abweichen können: Eine vermiedene oder aufgeschobene Auflösung erzeugt zusätzliche Spannung, wie sie besonders die Musik der Romantik gezielt auskostet.

Abzugrenzen ist die Auflösung vom Trugschluss, bei dem nicht ein einzelner Ton, sondern die gesamte erwartete Harmonie durch eine andere ersetzt wird. Auch das Auflösungszeichen der Notenschrift, das ein Vorzeichen zurücknimmt, bezeichnet einen anderen Sachverhalt und hat mit der harmonischen Auflösung nichts zu tun.

Spielpraxis

Achte beim Üben von Kadenzen und Vorhalten darauf, wohin sich die Dissonanz auflöst, und gestalte diesen Schritt bewusst ruhiger als den vorbereitenden Akkord – so wird die Lösung der Spannung hörbar. Im mehrstimmigen Satz oder im Ensemble lohnt es sich, die auflösende Stimme kurz zu isolieren und ihre Linie für sich zu singen oder zu spielen, bevor du sie wieder in den Gesamtklang einfügst.