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Intervall

Dissonanz

Eine Dissonanz ist ein reibungsvoller Zusammenklang, der nach Fortsetzung verlangt. Das Gegenstück ist die Konsonanz, die ruhig und in sich stimmig klingt. Dissonanz ist kein Fehler: Sie erzeugt die Spannung, die Konsonanz wieder auflöst.

Gegenteil
Konsonanz
Wirkung
Spannung, Reibung, Wunsch nach Auflösung
Physik
Je komplizierter das Frequenzverhältnis, desto dissonanter
Typische Intervalle
kleine und große Sekunde, Tritonus, Septimen

Spannung ist gewollt

Die Seite Harmonie beschreibt schon an zwei gleichzeitig klingenden Tönen, wie sich Zusammenklänge unterscheiden: Manche wirken ruhig und in sich stimmig, das ist konsonant. Andere wirken reibungsvoll und verlangen nach Fortsetzung, das ist dissonant. Keines von beiden ist „besser“. Musik lebt vom Wechsel: Dissonanz erzeugt Spannung, Konsonanz löst sie auf.

Der Grund liegt in der Physik. Auf der Seite Intervalle üben steht: Hinter jedem Intervall steckt ein Frequenzverhältnis. Die Oktave ist 2:1, die reine Quinte 3:2, die reine Quarte 4:3, die große Terz in reiner Stimmung 5:4. Je einfacher das Verhältnis, desto ruhiger und verschmolzener wirkt der Zusammenklang. Wer das einmal verstanden hat, hört Konsonanz und Dissonanz nicht mehr nur als Geschmacksfrage, sondern auch als akustische Eigenschaft.

Dissonante Intervalle

Die Seite Intervalle beschreibt jedes Intervall mit Verhältnis und Klangcharakter. Die dissonanten sind:

IntervallVerhältnisWirkung laut Seite Intervalle
Kleine Sekunde16:15starke Reibung, spannungsgeladen, instabil, drängend
Große Sekunde9:8mild dissonant, beweglich
Tritonus45:32 (rein), √2 (gleichstufig)spannungsgeladen, instabil, verlangt Auflösung
Kleine Septime9:5weich-dissonant, voll Sehnsucht nach Auflösung
Große Septime15:8stark dissonant, fast schmerzlich, verlangt Auflösung

Dazwischen gibt es Abstufungen. Die große Sekunde ist nach dieser Seite deutlich gespannter als Terz oder Quinte, aber bei weitem nicht so reibungsvoll wie die kleine Sekunde. Melodisch wirkt die kleine Sekunde laut Seite oft schmerzlich, klagend oder bedrohlich. Der Tritonus hat in gleichstufiger Stimmung kein einfaches Verhältnis, das macht ihn nach der Übungsseite schwebend und unentschieden.

Selbst ausprobieren: In Intervalle üben hörst du Intervalle und benennst sie. Laut Seite hilft es beim Nachrechnen, die Halbtonzahlen auswendig zu kennen (kleine Sekunde eins, große Sekunde zwei und so weiter), es ersetzt aber das Hören nicht.

Dissonanz löst sich auf

Der Dominantseptakkord G7 besteht aus g–h–d–f. Der Artikel Der Leitton beschreibt, was in ihm geschieht: Das h will einen Halbton hinauf zum c, das f will einen Halbton hinunter zum e. Zwischen h und f liegt ein Tritonus, das instabilste Intervall des Systems. Löst man beide Töne gleichzeitig auf, landet man auf c und e, zwei der drei Töne des C-Dur-Dreiklangs. Hör selbst, wie sich die Spannung löst:

G7V7CI

Die Kadenz G7 – C ist laut Artikel so unausweichlich, dass sie in sehr vielen Stücken der westlichen Musik zwischen 1650 und 1900 den Schluss bildet. Bleibt ein Stück auf der Dominante stehen, wartet das Ohr weiter auf eine Auflösung, die nicht kommt.

Was als Dissonanz gilt, ändert sich

Die Grenze zwischen Konsonanz und Dissonanz ist nicht festgelegt. Die Seite Intervalle nennt drei Beispiele:

  • Die große Terz: Im Mittelalter galt sie als unrein und wurde gemieden. Erst ab der Renaissance wurde sie als vollwertige Konsonanz akzeptiert. Der Artikel Warum die Quinte hohl klingt ergänzt: Im Organum des 9. bis 12. Jahrhunderts galten Terzen als Dissonanz.
  • Die Quarte: Im klassischen Kontrapunkt gilt die Quarte zwischen Bass und Oberstimme als Dissonanz, die aufgelöst werden muss, obwohl sie zwischen anderen Stimmen vollkommen konsonant klingt.
  • Die große Septime: Sie wurde in der traditionellen Harmonik jahrhundertelang als unaufgelöste Dissonanz gemieden. Erst der Jazz machte sie zu einem charakteristischen Wohlklang, etwa im maj7-Akkord als Markenzeichen von Bossa Nova, Smooth Jazz und romantischen Balladen. Die Spannung wird dort nicht mehr aufgelöst, sondern als Klangfarbe genutzt.

Dissonanz im Notenbild

Ein Beispiel für Reibung in einer einzelnen Melodie liefert der Beginn von Beethovens Klavierstück:

Klavier

  • Für Elise Ludwig van Beethoven, WoO 59 · Klavier · 3 Seiten

    Das Stück beginnt im Auftakt mit e–dis, einem Halbtonschritt, also einer kleinen Sekunde. In Takt 1 pendelt die Melodie weiter: e–dis–e–h–d–c. Der Schritt e–dis ist die Eröffnung, die die Seite Intervalle als Beispiel für die kleine Sekunde nennt.

Häufige Fehler

  • Dissonanz mit „falsch“ gleichsetzen: Die Seite Harmonie sagt ausdrücklich, dass keines von beiden besser ist.
  • Dissonanz immer auflösen wollen: Im Jazz steht die große Septime auch ohne Auflösung, als Klangfarbe.
  • Die Quarte immer für konsonant halten: Im klassischen Kontrapunkt gilt sie über dem Bass als dissonant.