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Intervall

Kleine Sekunde

Ein Halbton, der engste Schritt des Systems — Grundlage jedes Leittons.

Was es bedeutet

Die kleine Sekunde umfasst einen Halbton und ist damit der engste Schritt des gebräuchlichen Tonsystems. In der Durtonleiter kommt sie zweimal vor: zwischen dritter und vierter sowie zwischen siebter und achter Stufe. Als Zusammenklang ist sie die schärfste Dissonanz, als Melodieschritt das wirkungsvollste Verbindungsmittel überhaupt.

Musikalische Verwendung

Ihre Bedeutung liegt in der Zugkraft. Der Leitton steht eine kleine Sekunde unter dem Grundton und drängt aufwärts; darauf beruht die Kadenz und mit ihr die gesamte Dur-Moll-Tonalität. In Moll muss diese Stufe eigens erhöht werden, um den Leitton zu gewinnen — daraus entsteht die harmonische Form der Molltonleiter.

Ebenso prägend wirkt die kleine Sekunde über dem Grundton: In der phrygischen Tonart liegt die zweite Stufe nur einen Halbton über der Finalis und fällt zu ihr hin; dieser Klang trägt einen großen Teil der von dieser Tonart geprägten Musik.

Als Zusammenklang erscheint sie im Vorhalt, der sich abwärts auflöst, und als Baustein dichter Klänge und Cluster. In der Umkehrung wird sie zur großen Septime; beide sind dasselbe Verhältnis in verschiedener Lage, doch die weite Septime klingt offener als die eng liegende Sekunde.

Zu unterscheiden ist die kleine Sekunde von der übermäßigen Prime: Beide klingen gleich, doch jene verbindet zwei verschiedene Stufen, diese verändert denselben Ton.

Die kleine Sekunde ist das kleinste Intervall des temperierten Systems. Als Zusammenklang ist sie eine scharfe Dissonanz, im Vorhalt oder als Reibung wird sie ausdrucksstark eingesetzt. Melodisch prägt sie Leittonschritte, Seufzerfiguren und chromatische Linien. Umgekehrt ergibt sie die große Septime. Der Name bezeichnet, wie immer bei Intervallen, zwei benachbarte Stufen, also etwa e–f, während der chromatische Halbton e–eis als übermäßige Prime gilt. ## Spielpraxis

Nimm Leittonschritte eng — enger, als das Klavier sie spielt. Führe die kleine Sekunde gerichtet: Der Zielton ist Ankunft, der Ausgangston Spannung. Und übe das Singen dieses Intervalls gezielt; es ist gehörsmäßig anspruchsvoller, als seine geringe Größe vermuten lässt, besonders abwärts.