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Intervall

Kleine Sekunde

Die kleine Sekunde ist der Halbtonschritt, das kleinste Intervall der westlichen Tonleiter. Mit dem Verhältnis 16:15 reiben die beiden Töne stark aneinander. Das Ohr hört sie spannungsgeladen, instabil und drängend.

Größe
2 Stufen, 1 Halbton
Verhältnis
16:15 (rein)
Klang
starke Reibung, drängend, instabil
Wichtigste Aufgabe
Leitton: 7. Stufe zieht zum Grundton
Auf der Gitarre
ein Bund Abstand
Nächstgrößeres
große Sekunde (2 Halbtöne)

Die kleinste Stufe der Tonleiter

Die Seite Intervalle beschreibt die kleine Sekunde als die kleinste Stufe der westlichen diatonischen Tonleiter, einen Halbtonschritt. Mit dem Verhältnis 16:15 erzeugt sie eine starke Reibung zwischen den beiden Tönen: Sie liegen so dicht beieinander, dass das Gehör sie als spannungsgeladen, instabil und drängend wahrnimmt.

Die Halbtonschritte in C-Dur

c d e f g a h c 1 1 ½ 1 1 1 ½

Zwei der sieben Schritte einer Durtonleiter sind kleine Sekunden: e–f und h–c. Markiert sind die vier beteiligten Töne.

Der Beginn von „Für Elise“

e dis e dis e h d c

Die ersten beiden Töne e–dis bilden eine kleine Sekunde und wiederholen sich: e–dis–e–dis–e. Danach geht es mit h–d–c weiter.

Melodisch wirkt die kleine Sekunde laut Seite oft schmerzlich, klagend oder bedrohlich. Als bekannte Beispiele nennt die Seite das „Hai-Motiv“ aus dem Film Der weiße Hai, zwei alternierende Halbtöne, und die Eröffnungsnoten von Beethovens „Für Elise“: e–dis. Im Jazz und Blues sind kleine Sekunden ein wichtiges Spannungsmittel.

Kleine SekundeGroße Sekunde
Halbtöne12
Verhältnis (rein)16:159:8
Wirkungstarke Reibung, drängendmild dissonant, beweglich
Gitarre, hohe E-Saite greifen1. Bund, klingt F (349,23 Hz)2. Bund, klingt F♯ (369,99 Hz)

Der Leitton

Ihre wichtigste Aufgabe in der tonalen Musik ist laut Seite der Leitton: Der siebte Ton einer Durtonleiter, in C-Dur das h, liegt einen Halbton unter dem Grundton c und zieht hörbar zu ihm hin. Dieser Sog ist die Grundlage jeder Kadenz. Die Dominante G-Dur enthält den Leitton h, der zwingend nach c strebt und so die Auflösung in die Tonika erzeugt. Der Artikel Der Leitton führt es aus. Auch das harmonische Moll entsteht, damit in Moll ein Leitton vorhanden ist: Siehe Harmonisches Moll.

Selbst ausprobieren: In Intervalle üben kommen die Sekunden erst nach Prime, Quarte, Quinte, Oktave und den Terzen und Sexten dran.

Die kleine Sekunde auf der Gitarre

Bei 15/16 der Saitenlänge klingt der nächsthöhere Halbton. Auf der Gitarre entspricht das genau einem Bundabstand. Wenn du die hohe E-Saite mit 329,63 Hz im 1. Bund greifst, klingt F mit 349,23 Hz. Die Seite Intervalle weist darauf hin, dass die Bünde nach der gleichstufigen Stimmung sitzen: Das reine Verhältnis 16:15 (111,7 Cent) liegt rund 12 Cent über dem gleichstufigen Halbton. Als isolierter Flageolett-Ton lässt sich die kleine Sekunde praktisch nicht erzeugen, weil sie etwa zwischen dem 15. und 16. Naturton liegt.

Ein künstliches Intervall

In der reinen Stimmung wird die kleine Sekunde nach der Seite Intervalle aus der Quinte (3:2) und der großen Terz (5:4) abgeleitet, nicht direkt aus der Naturtonreihe. Sie entsteht erst durch die Konstruktion der Tonleiter und nicht durch den natürlichen Obertonaufbau, deshalb gilt sie als „künstliches“ Intervall.

Klavier

Häufige Fehler

  • Halbton und kleine Sekunde gleichsetzen: Eine kleine Sekunde überspannt zwei Stufen, zum Beispiel c–des. Das Paar c–cis ist ebenfalls ein Halbton, liegt aber auf derselben Stufe und heißt übermäßige Prime.
  • e–f und h–c vergessen: Die zwei natürlichen Halbtonschritte der Stammtöne liegen nur dort, nicht zwischen den anderen Stammtönen.
  • Die Reibung glätten: Eine kleine Sekunde braucht Spannung, auch beim Spielen. Wer sie zu weich nimmt, verliert den Zug.