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Theorie

Diatonik

System aus sieben Stammtönen einer Tonleiter.

Was es bedeutet

Diatonik bezeichnet ein Tonsystem aus sieben Tönen je Oktave, in dem fünf Ganztonschritte und zwei Halbtonschritte so verteilt sind, dass die Halbtöne möglichst weit auseinanderliegen. Auf der Klaviatur entspricht das den weißen Tasten. Aus dieser ungleichmäßigen Verteilung entsteht alles Weitere: Jede Stufe hat einen anderen Abstand zu ihren Nachbarn, und deshalb hat jede einen eigenen Charakter innerhalb der Leiter.

Musikalische Verwendung

Diese Ungleichmäßigkeit ist der Grund, warum Musik ein Zentrum haben kann. In einer Skala aus lauter gleichen Schritten — der Ganztonleiter oder der chromatischen Leiter — ist kein Ton vor den anderen ausgezeichnet; in einer diatonischen dagegen ergibt sich aus der Lage der Halbtöne ein Gefälle: Der Leitton drängt zum Grundton, die Dominante zielt zur Tonika. Darauf beruhen Kadenz und Funktionsharmonik.

Je nachdem, auf welcher Stufe man beginnt, entstehen aus demselben Tonvorrat verschiedene Modi — von c aus die Durtonleiter, von a aus natürliches Moll, von d aus Dorisch, und so fort. Die mittelalterlichen Kirchentonarten und die spätere Dur-Moll-Tonalität sind damit Ausprägungen desselben diatonischen Bestands. Historisch wurde er aus Tetrachorden und Hexachorden aufgebaut, später aus der Quintenschichtung hergeleitet.

Abzugrenzen ist die Diatonik von der Chromatik, die Töne außerhalb dieses Vorrats verwendet: Chromatische Töne heben die Diatonik nicht auf, sondern färben sie ein — ihre Wirkung beruht darauf, dass ein diatonischer Rahmen hörbar bleibt.

Das diatonische System ist die Grundlage der europäischen Musik vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Kirchentonarten, Dur und Moll schöpfen alle aus demselben Vorrat von sieben Stammtönen, der sich auf den weißen Tasten des Klaviers abbildet und sich in Quinten anordnen lässt. Ihr Gegenbegriff ist die Chromatik, die Zwischenstufen einführt. ## Spielpraxis

Übe Tonleitern nicht als Fingerübung, sondern mit Blick auf die Halbtonstellen: Wo liegen sie, und wohin drängen sie? Singe die Stufen und achte darauf, dass der Leitton eng an den Grundton heranrückt. Beim Erarbeiten eines Stückes hilft es, zuerst zu prüfen, welche Töne leitereigen sind und welche nicht — die Ausnahmen sind es, die den Verlauf tragen.