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Theorie

Chromatik

Tonbewegung in Halbtonschritten.

Was es bedeutet

Chromatik bezeichnet die Verwendung von Tönen, die nicht zum Tonvorrat der geltenden Tonart gehören, und insbesondere die Bewegung in Halbtonschritten. Sie steht der Diatonik gegenüber, die mit den sieben Stammtönen einer Tonleiter auskommt. Das Wort geht auf das griechische Wort für Farbe zurück — die chromatischen Töne färben den diatonischen Grundbestand ein, ohne ihn aufzuheben.

Im Notenbild

Erkennbar ist Chromatik an Versetzungszeichen im Takt: Kreuze, Bs und Auflösungszeichen, die nicht aus der Vorzeichnung stammen. Die Schreibweise folgt dabei der Richtung — aufwärts führende Halbtöne werden in der Regel mit Kreuzen, abwärts führende mit Bs geschrieben, auch wenn beide dieselbe Taste treffen. Diese Unterscheidung ist keine Formsache: Sie zeigt, welche Stufe gemeint ist und wohin der Ton weitergeht.

Musikalische Verwendung

Drei Anwendungen sind besonders wichtig. Erstens der chromatische Durchgang, der zwei leitereigene Töne verbindet, ohne die Harmonie zu verändern. Zweitens die Alteration: Ein Akkordton wird verändert, um die Spannung zu erhöhen oder eine Zwischendominante zu bilden; funktionstheoretisch bleibt der Klang dabei, was er war, und erhält lediglich eine schärfere Zielrichtung. Drittens die Modulation, bei der chromatische Töne den Übergang in eine andere Tonart herstellen.

Historisch reicht die Chromatik weit zurück: Schon die Praxis der musica ficta führte im Mittelalter unnotierte Halbtöne ein. Im Madrigal des späten 16. Jahrhunderts wurde sie zum Mittel des Affektausdrucks, im 19. Jahrhundert dehnte sie die Tonalität bis an ihre Grenzen.

Abzugrenzen ist die Chromatik von der Atonalität: Auch stark chromatische Musik bleibt tonal, solange ein Bezugszentrum hörbar ist.

In der Harmonik des 19. Jahrhunderts nimmt die Chromatik stark zu; Leittöne, Alterationen und rasche Modulationen lösen die klare Tonartbindung allmählich auf. ## Spielpraxis

Achte bei chromatischen Linien auf die Richtung und führe sie zielgerichtet; jeder Halbton drängt weiter. Bei Instrumenten mit beweglicher Intonation lohnt es sich, aufwärts führende Töne eng an ihr Ziel heranzunehmen. Und sprich dir dichte Stellen einmal langsam mit Tonnamen vor, bevor du sie greifst.