Madrigal
Mehrstimmiges Vokalstück der Renaissance.
Was es bedeutet
Das Madrigal ist die bedeutendste weltliche Vokalgattung des 16. Jahrhunderts: ein mehrstimmiges Stück, meist für vier bis sechs Stimmen, auf einen italienischen Gedichttext. Anders als das Strophenlied ist es durchkomponiert — die Musik folgt dem Text Zeile für Zeile, ohne Wiederholung der Musik für neue Strophen. Daneben gibt es eine ältere, formal anders gebaute Gattung gleichen Namens im 14. Jahrhundert, die von der späteren zu unterscheiden ist.
Musikalische Verwendung
Das Madrigal ist das Feld, auf dem die Textausdeutung entwickelt wurde: Einzelne Wörter werden musikalisch dargestellt — Aufstieg durch steigende Linien, Schmerz durch Dissonanz, Eile durch schnelle Werte. Dieses Verfahren heißt Madrigalismus. Im Lauf des Jahrhunderts wird die Satzweise immer kühner, mit weiträumiger Chromatik und ungewöhnlichen Harmonien in späten Werken. Um 1600 führt die Entwicklung zur Monodie, dem begleiteten Sologesang, und damit an den Beginn der Oper. Vom Madrigal des Kontinents unterscheidet sich das englische Madrigal in Tonfall und Textbehandlung, steht ihm aber nahe.
Spielpraxis
Arbeite vom Text her: Übersetze ihn, sprich ihn laut und suche die Stellen, an denen die Musik einzelne Wörter ausdeutet. Halte den Satz durchsichtig; jede Stimme muss hörbar bleiben, auch die Mittelstimmen. Singe mit maßvollem Vibrato und einheitlicher Aussprache. Kläre die Besetzung — solistisch oder chorisch —, da beides möglich ist und den Charakter verändert. Achte auf reine Intonation in chromatischen Passagen und übe sie langsam als Akkordfolge.
die Besetzungsfrage den Charakter verändert: Solistisch gesungen treten Textausdeutung und harmonische Feinheiten hervor, chorisch gewinnt der Satz an Fülle, verliert aber an Deutlichkeit. Entscheide bewusst und mache es im Programm kenntlich. Beachte die Schlüsselung, weil chiavette-Notation auf eine T Kläre, ob deine Ausgabe eine Übertragung aus Mensuralnotation ist, weil Taktstriche dort vom Herausgeber stammen.