Frottola
Italienisches Strophenlied der Renaissance.
Was es bedeutet
Die Frottola ist ein italienisches Strophenlied um 1500, meist vierstimmig gesetzt, mit der Melodie in der Oberstimme und einer überwiegend akkordischen Begleitung in den übrigen Stimmen. Die Texte sind weltlich, häufig scherzhaft oder galant, und die Form ist strophisch mit klarer Gliederung. Gedruckte Sammlungen verbreiteten die Gattung rasch; sie gehört zu den ersten Erfolgen des Musikdrucks.
Musikalische Verwendung
Kennzeichnend ist die Schlichtheit: gleichmäßige Perioden, silbische Textbehandlung, deutliche Kadenzen, wenig Imitation. Diese Machart ist Voraussetzung dafür, dass die Stücke auch solistisch mit Begleitung vorgetragen werden konnten — eine Praxis, die in Lautenbearbeitungen der Zeit dokumentiert ist und auf die spätere Melodie mit Begleitung vorausweist. Musikgeschichtlich steht die Frottola damit an einer aufschlussreichen Stelle: Sie ist mehrstimmig notiert, aber melodiebetont gedacht. Aus ihrem Umfeld entwickelt sich in der Folgezeit das Madrigal, das den Text ungleich genauer ausdeutet und kunstvoller gearbeitet ist.
Die Frottola blühte um 1500 in Norditalien, besonders am Hof von Mantua, den Isabella d'Este zu einem Zentrum der Musik ausbaute; ihre Hofmusiker Bartolomeo Tromboncino und Marchetto Cara sind die wichtigsten Komponisten der Gattung. Der Verleger Ottaviano Petrucci brachte zwischen 1504 und 1514 in Venedig elf Frottolenbücher heraus, deren Inhalt überwiegend von diesen beiden stammt.
Spielpraxis
Halte den Satz durchsichtig und die Deklamation gemeinsam; der Text muss silbengenau zusammenfallen. Gestalte die Strophen unterschiedlich, da die Musik sich wiederholt und der Text die Abwechslung trägt. Singe mit maßvollem Vibrato und leichter Tongebung; Fülle ist hier fehl am Platz. Erwäge die Ausführung mit Solostimme und Instrumenten, wie sie historisch belegt ist, und kläre die Besetzung vorab. Achte auf tänzerische Rhythmik und vermeide zu langsame Tempi.
Prüfe, ob der Notendruck der Quelle bereits eine Textunterlegung enthält oder ob sie vom Herausgeber stammt, weil davon die Deklamation abhängt.