Villanella
Italienisches Strophenlied der Renaissance.
Was es bedeutet
Die Villanella ist ein italienisches Strophenlied des 16. Jahrhunderts, meist drei- oder vierstimmig, mit einfacher, überwiegend akkordischer Satzweise und ländlich gefärbten, oft scherzhaften Texten. Der Name verweist auf das Ländliche. Charakteristisch ist ein bewusst schlichter, teils absichtlich regelwidriger Satz — parallele Quinten etwa gelten hier nicht als Fehler, sondern gehören zum volkstümlichen Ton.
Musikalische Verwendung
Die Gattung steht in bewusstem Gegensatz zum kunstvollen Madrigal: Wo dieses den Text bis ins Einzelne ausdeutet, setzt die Villanella auf Eingängigkeit, klare Perioden und tänzerische Rhythmik. Die Melodie liegt in der Oberstimme, der Text wird silbisch gesetzt, die Strophen wiederholen die Musik. Damit gehört sie in dieselbe Familie wie Frottola und Canzonetta und gehört zu den populären Liedgattungen, die durch den Notendruck weite Verbreitung fanden. Musikgeschichtlich zeigt sie, dass neben der gelehrten Vokalpolyphonie stets eine einfachere, melodiebetonte Praxis bestand. Die frühen Villanellen sind meist dreistimmig gesetzt.
Spielpraxis
Halte den Satz leicht und durchsichtig und singe mit maßvollem Vibrato; Fülle und Pathos sind hier fehl am Platz. Achte auf gemeinsame, silbengenaue Deklamation und auf tänzerische Rhythmik. Gestalte die Strophen unterschiedlich, weil die Musik sich wiederholt. Erwäge die Ausführung mit Solostimme und Begleitinstrument, wie es historisch belegt ist. Nimm die schlichte Satzweise nicht als Nachlässigkeit, sondern als Stilmerkmal, und glättet sie nicht.
die absichtlichen Regelverstöße dieser Gattung nicht korrigiert werden dürfen: Parallelen, die in einem Madrigal als Fehler gälten, gehören hier zum volkstümlichen Ton. Prüfe die Ausgabe darauf, ob ein Herausgeber geglättet hat. Die Villanella verbreitete sich schnell nach Norden, auch Lasso schrieb solche Stücke. Ihre Satzweise mit parallelen Quinten galt bewusst als bäuerlich. Prüfe, ob die Ausgabe eine Fassung für Solostimme mit Begleitung bietet, weil diese Praxis historisch belegt ist und den Charakter der Stücke verändert. Prüfe zudem, ob die Ausgabe Vorzeichen ergänzt hat, weil die Quellen sie häufig nicht ausschreiben.