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Form

Chanson

Französisches Kunst- oder Volkslied.

Was es bedeutet

Chanson ist das französische Wort für Lied und bezeichnet in der Musikgeschichte zwei ganz verschiedene Dinge. Zum einen die mehrstimmige Liedgattung des 15. und 16. Jahrhunderts, die neben dem Madrigal die wichtigste weltliche Vokalform ihrer Zeit ist; zum anderen das französische Lied des 19. und 20. Jahrhunderts mit Begleitung, in dem der Text im Vordergrund steht. Beide Bedeutungen sind auseinanderzuhalten, auch wenn sie denselben Namen tragen.

Musikalische Verwendung

Die Renaissance-Chanson ist mehrstimmig gesetzt, oft für drei bis fünf Stimmen, und reicht von kunstvoll durchimitierten Sätzen bis zu eingängigen, akkordisch gehaltenen Stücken mit deutlicher Deklamation. Manche Chansons stellen mit musikalischen Mitteln Szenen dar, etwa Vogelstimmen oder Schlachtenlärm. Die spätere Chanson lebt von der Verbindung aus Text, Vortrag und Persönlichkeit des Interpreten; die Musik dient der Sprache, und die Form ist meist strophisch mit Refrain. Gemeinsam ist beiden Ausprägungen die enge Bindung an die französische Sprache und ihre Betonungsverhältnisse.

Spielpraxis

Kläre zuerst, welche Gattung gemeint ist, weil Besetzung und Vortragsweise vollständig verschieden sind. Bei der Renaissance-Chanson achtet auf Durchhörbarkeit der Stimmen, gemeinsame Aussprache und eine Deklamation, die dem französischen Wortakzent folgt. Bei der späteren Chanson steht die Textverständlichkeit an erster Stelle; singe nah an der Sprache, mit maßvollem Vibrato und sorgfältiger Phrasierung. Lies den Text laut, bevor du singst, und verschaffe dir eine Übersetzung. Wähle eine Tonlage, in der der Text mühelos verständlich bleibt.

die französische Sprache wenig Wortakzent, aber deutliche Zeilenakzente kennt; wer sie wie das Deutsche betont, zerhackt die Linie. Arbeite an den Nasalvokalen und an der Bindung zwischen den Wörtern, weil beides den Klang der Sprache trägt. Bei mehrstimmigen Chansons der Renaissance lohnt die Prüfung, ob Textunterlegungen vom Herausgeber stammen; sie sind oft Auslegung und nicht Überlieferung. In der späteren Chanson gehört auch die Gestaltung der Zwischenspiele zur Deutung. Kläre außerdem die Besetzung, da mehrstimmige Chansons solistisch wie chorisch ausgeführt werden können.