Alteration
Chromatische Veränderung eines Akkordtons.
Was es bedeutet
Alteration heißt die chromatische Veränderung eines Akkordtons: Ein Ton wird um einen Halbton erhöht oder erniedrigt, ohne dass der Akkord seine Funktion verliert. Der Klang bleibt, was er war, erhält aber eine schärfere Zielrichtung, weil der veränderte Ton nun einen Halbton von seinem Ziel entfernt liegt und dorthin drängt.
Im Notenbild
Alterationen sind an Versetzungszeichen erkennbar, die nicht aus der Vorzeichnung stammen. Die Schreibweise folgt dabei der Richtung der Auflösung: Ein Ton, der aufwärts weitergeht, wird erhöht, einer, der abwärts geht, erniedrigt. Klanglich gleiche Töne können deshalb verschieden notiert sein, je nachdem, wohin sie führen.
Musikalische Verwendung
Der Sinn der Alteration ist die Schaffung zusätzlicher Leittöne. Wo die Diatonik einen Ganzton hat, entsteht durch Veränderung ein Halbton und damit eine Spannung, die nach Auflösung verlangt. In der Funktionstheorie wird die Alteration durch Zusätze an der Funktionsbezeichnung angegeben; der Klang behält seinen funktionalen Namen.
Einige alterierte Klänge haben sich als feste Bildungen etabliert: der neapolitanische Sextakkord mit der erniedrigten zweiten Stufe, der übermäßige Sextakkord mit auseinanderstrebenden Außentönen, die Dominante mit erhöhter oder erniedrigter Quinte. Im 19. Jahrhundert wurde die Alteration immer weiter getrieben, bis die Grenze zwischen alterierter Tonalität und freier Chromatik verschwamm.
Abzugrenzen ist die Alteration von der Zwischendominante: Diese enthält ebenfalls leiterfremde Töne, doch als Leitton zu einer anderen Stufe, nicht als Veränderung eines bestehenden Akkordtons. Und von der Modulation unterscheidet sie sich dadurch, dass die Tonart erhalten bleibt.
Alterierte Töne sind klar von bloßen Akzidenzien zu unterscheiden: Ein Kreuz in einer Kreuztonart oder die Leittonerhöhung in Moll gehört zur Tonart selbst und ist keine Alteration im harmonischen Sinn. Alteriert ist ein Ton erst, wenn er den leitereigenen Akkord chromatisch umfärbt und dadurch eine zusätzliche Strebung erhält. In der Romantik nimmt die Alteration zu, bis die Akkorde bei Wagner und später oft mehrdeutig werden. ## Spielpraxis
Suche in alterierten Klängen den veränderten Ton und verfolge seine Richtung; dort liegt die Wirkung. Führe ihn gerichtet weiter und intoniere erhöhte Töne eher hoch, erniedrigte eher tief. Und nimm den Klang als Spannung, nicht als Farbe allein — er will aufgelöst werden.