Leiterfremd
Töne oder Akkorde außerhalb der diatonischen Tonleiter einer Tonart, meist durch chromatische Veränderung entstanden.
Was es bedeutet
Leiterfremd nennt man Töne und die aus ihnen gebildeten Akkorde, die nicht zu den sieben Stufentönen der jeweiligen Dur- oder Molltonleiter gehören. Sie entstehen meist durch chromatische Alteration eines leitereigenen Tons, etwa wenn in C-Dur ein Fis anstelle des F erscheint.
Der Gegenbegriff ist leitereigen: Töne, die unverändert Teil der Tonleiter sind. Leiterfremdheit ist dabei immer auf eine bestimmte Tonart bezogen, derselbe Ton kann in einer anderen Tonart leitereigen sein.
Musikalische Verwendung
Leiterfremde Töne dienen der harmonischen Bereicherung, ohne dass die Musik die Grundtonart verlässt. Sie treten vor allem in Durchgangs- und Wechselnotenbildungen, in alterierten Akkorden wie der Zwischendominante oder dem übermäßigen Dreiklang sowie in chromatischen Linien auf.
Abzugrenzen ist Leiterfremdheit von einer echten Modulation: Bei Letzterer wechselt die Tonart selbst, sodass die vorher fremden Töne zu leitereigenen der neuen Tonart werden. Leiterfremde Töne bleiben dagegen Ausnahmen innerhalb einer bestehenden Tonart und lösen sich meist rasch wieder in leitereigene Töne auf.
Spielpraxis
Achte beim Vomblattspielen auf Vorzeichen, die nicht zur Tonart gehören – sie markieren fast immer einen leiterfremden Ton. Sing oder spiele die Stelle isoliert, um den charakteristischen Reibungs- oder Farbeffekt bewusst wahrzunehmen, bevor du sie in den musikalischen Zusammenhang einordnest.