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Harmonik

Ersatzklang

Akkord, der eine Funktion vertritt.

Was es bedeutet

Ein Ersatzklang — häufiger Vertreter oder Vertretungsklang genannt — ist ein Akkord, der an die Stelle einer Hauptfunktion tritt und deren Rolle übernimmt. Die Funktionstheorie beschreibt jeden Akkord einer Tonart als Hauptfunktion oder als deren Vertreter; die Vertreter sind Klänge, die mit der Hauptfunktion zwei Töne gemeinsam haben und deshalb ähnlich wirken.

Musikalische Verwendung

Zwei Arten der Vertretung sind besonders wichtig. Die Parallele liegt eine kleine Terz unter einem Durklang beziehungsweise eine kleine Terz über einem Mollklang: In C-Dur vertritt a-Moll die Tonika als Tonikaparallele (VI), d-Moll die Subdominante als Subdominantparallele (II). Der Gegenklang liegt eine große Terz über einem Durklang: e-Moll erscheint in C-Dur als Tonikagegenklang (III). Beide teilen mit ihrer Hauptfunktion zwei Töne und bleiben deshalb verwandt.

Der bekannteste Einsatz eines Ersatzklangs ist der Trugschluss. Die Dominante führt nicht zur erwarteten Tonika, sondern zur Tonikaparallele — der Klang ist verwandt genug, um als Fortsetzung zu wirken, aber anders genug, um den Schluss zu verweigern. Ebenso geläufig ist die Subdominantparallele vor der Dominante, die die Kadenz weicher und farbiger macht als die Subdominante selbst.

Im Jazz ist der Gedanke der Vertretung auf andere Weise ausgebaut worden, etwa im Tritonusersatz, bei dem eine Dominante durch eine andere im Tritonusabstand ersetzt wird, weil beide denselben Tritonus enthalten.

Abzugrenzen ist der Ersatzklang vom alterierten Akkord: Dieser verändert einen Klang chromatisch, jener tritt als leitereigener Klang an dessen Stelle.

In der Funktionstheorie gelten vor allem die Parallelen und Gegenklänge als Vertreter der Hauptfunktionen: Die Tonikaparallele kann die Tonika ersetzen, die Subdominantparallele die Subdominante. Diese Klänge teilen zwei Töne mit dem vertretenen Akkord, weshalb sie ähnlich wirken und doch neue Farbe bringen. Im Jazz spricht man von Substitution. ## Spielpraxis

Höre darauf, welche Funktion ein Nebenklang vertritt — das bestimmt seine Gestaltung. Beim Trugschluss gib dem Ersatzklang das Gewicht einer Überraschung, nicht das eines Endes. Und nutze die Vertretungen beim eigenen Harmonisieren, um eine Melodie farbiger zu begleiten.