Funktionstheorie
Harmonische Analyse nach Hugo Riemann.
Was es bedeutet
Die Funktionstheorie beschreibt Akkorde nach ihrer Aufgabe innerhalb der Tonart. Sie geht davon aus, dass sich jeder Klang eines tonalen Satzes auf eine von drei Hauptfunktionen beziehen lässt: Tonika (I) als Ruhepunkt, Dominante (V) als das, was zu ihr hinführt, Subdominante (IV) als das, was von ihr wegführt und die Dominante vorbereitet. Alle übrigen Klänge erscheinen als Vertreter, Abwandlungen oder Erweiterungen dieser drei. Ausgearbeitet wurde das System von Hugo Riemann im späten 19. Jahrhundert.
Im Notenbild
Bezeichnet wird mit Buchstaben unter dem System: T, S, D, wobei Großbuchstaben Dur- und Kleinbuchstaben Mollklänge meinen. Zusätze benennen die Abwandlungen — p für die Parallele, g für den Gegenklang, angehängte Ziffern für hinzugefügte Töne wie in D7. Klammern oder Pfeile kennzeichnen Zwischendominanten, die sich auf eine andere Stufe als die Tonika beziehen. Ergänzend lässt sich die Stufe in römischen Ziffern in Klammern angeben.
Musikalische Verwendung
Der Vorzug des Systems liegt darin, dass es Zusammenhänge benennt statt bloß Positionen: Es sagt nicht nur, auf welcher Stufe ein Akkord steht, sondern wozu er dient und wohin er zielt. Damit lassen sich Kadenzen, Modulationen und Trugschlüsse unabhängig von der Tonart beschreiben. Seine Grenzen zeigen sich dort, wo die tonale Bindung nachlässt — in modaler Musik, in stark chromatischer Musik des späten 19. Jahrhunderts, in weiten Teilen des 20. Jahrhunderts.
Abzugrenzen ist sie von der Stufentheorie, die jeden Akkord nach seiner Stufe in der Tonleiter benennt und weniger über seine Rolle aussagt, und von der Generalbassbezifferung, die lediglich die Intervalle über dem Bass angibt. Alle drei beschreiben dieselbe Musik aus verschiedenen Blickwinkeln; innerhalb einer Analyse sollte man bei einem System bleiben.
Spielpraxis
Schreibe beim Erarbeiten die Funktionen unter die Basslinie und suche zuerst die Kadenzen; von dort aus ordnet sich das Übrige. Achte darauf, was vor einer Auflösung steht — das ist meist die aufschlussreichste Stelle. Und nutze die Analyse für das Auswendiglernen: Wer die harmonischen Zusammenhänge kennt, behält einen Satz weit zuverlässiger als über die Finger allein.