Sekund
Intervall einer Sekunde.
Was es bedeutet
Die Sekunde ist das Intervall zwischen benachbarten Tonleiterstufen — der Schritt von einem Ton zum nächsten. Sie erscheint in drei Formen: die kleine Sekunde mit einem Halbton, die große mit zwei, die übermäßige mit drei. Als Zusammenklang gilt sie durchweg als dissonant, als Melodieschritt ist sie der Normalfall.
Musikalische Verwendung
Melodisch trägt die Sekundbewegung den Zusammenhang einer Linie: Schrittweise verbundene Töne werden als eine Bewegung gehört, während Sprünge einen Raum umreißen. Deshalb gilt in der Satzlehre die Schrittbewegung als Regel, und deshalb werden Dissonanzen schrittweise aufgelöst — Vorhalt, Durchgang und Wechselnote sind allesamt Sekundbildungen.
Der Unterschied zwischen großer und kleiner Sekunde ist dabei entscheidend. Der Halbtonschritt zieht und gibt Richtung; der Ganztonschritt ist neutral. Wo die Halbtöne in einer Tonleiter liegen, bestimmt deren Charakter, und darauf beruhen die Unterschiede zwischen den Kirchentonarten. Die übermäßige Sekunde entsteht in harmonisch Moll zwischen sechster und siebter Stufe und klingt auffällig, weshalb die melodische Form sie glättet.
Als Zusammenklang erzeugt die Sekunde Reibung: im Vorhalt, der sich abwärts auflöst, und im Cluster, wo sie als Klangmittel eingesetzt wird. In der Umkehrung wird sie zur Septime, die dasselbe Verhältnis in weiterer Lage darstellt und dadurch offener klingt.
In reiner Stimmung hat die große Sekunde das Verhältnis 9:8 oder 10:9, die kleine Sekunde 16:15. Man unterscheidet kleine, große und übermäßige Sekunde. Melodisch ist sie der Grundschritt jeder Tonleiter und damit das häufigste Intervall überhaupt. Harmonisch gilt sie als Dissonanz, die aufgelöst wird; in Clustern, im Jazz und in der Musik des Impressionismus wird sie als Klangfarbe eingesetzt, etwa als hinzugefügte None oder in Sekundakkorden ohne Auflösung. ## Spielpraxis
Unterscheide beim Spielen deutlich zwischen Ganz- und Halbtonschritt; wer beide gleich behandelt, verwischt die Tonart. Führe schrittweise Linien als eine Bewegung mit Ziel, nicht als Folge einzelner Töne. Und gib Sekundreibungen Gewicht, statt sie zu mildern — die Auflösung wirkt nur, wenn die Spannung hörbar war.