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Theorie

Schritt

Stufenweiser Tonschritt.

Was es bedeutet

Ein Schritt ist die Bewegung von einem Ton zum unmittelbar benachbarten, also um eine Sekunde. Alles Größere heißt Sprung. Diese einfache Unterscheidung ist in der Melodielehre grundlegend, weil sich Schritt und Sprung im Hören und im Satz verschieden verhalten.

Musikalische Verwendung

Schrittweise Bewegung verbindet: Das Ohr hört eine Folge benachbarter Töne als zusammenhängende Linie. Sprünge dagegen umreißen einen Raum und lassen eher an einen Akkord denken. Deshalb gilt in der Satzlehre die Schrittbewegung als der Normalfall, von dem Abweichungen begründet sein wollen, und deshalb werden Dissonanzen schrittweise aufgelöst — Vorhalt, Durchgang und Wechselnote sind allesamt schrittweise Bildungen.

Zu unterscheiden sind Ganzton- und Halbtonschritt. Der Unterschied ist weit mehr als eine Größenangabe: Der Halbtonschritt erzeugt Spannung und Richtung, weshalb der Leitton zum Grundton drängt und die phrygische zweite Stufe ihren besonderen Klang bekommt. Wo die Halbtöne in einer Tonleiter liegen, bestimmt deren Charakter — genau darin unterscheiden sich die Kirchentonarten voneinander.

In der Verbindung von Akkorden gilt die Regel, dass jede Stimme den kürzesten Weg nehmen soll; daraus ergibt sich ein überwiegend schrittweiser Verlauf der Mittelstimmen, während der Bass häufiger springt, weil er die Grundtöne trägt.

Als Schritt gilt ein melodisches Intervall von einer Sekunde, also Halbton oder Ganzton; größere Intervalle heißen Sprung. In der Vokalpolyphonie wurde die schrittweise Bewegung bevorzugt, weil sie leicht zu singen ist und die Stimmen selbstständig hält. Die Melodielehre empfiehlt, auf einen Sprung schrittweise Gegenbewegung folgen zu lassen. In der Satzlehre werden Dissonanzen meist schrittweise aufgelöst, und Durchgangs- sowie Wechselnoten erreicht man ebenfalls durch Schritte. ## Spielpraxis

Führe schrittweise Linien als eine Bewegung mit einem Ziel, nicht als Folge einzelner Töne — singe sie zuerst, dann gelingt es am Instrument leichter. Achte auf Gleichmäßigkeit in Länge und Klang; hier fällt jeder herausfallende Ton auf. Und beachte beim Intonieren den Unterschied zwischen Ganz- und Halbtonschritt: Halbtöne mit Leittoncharakter werden eng genommen.