Akkordumkehrung
Versetzung der Akkordtöne in eine andere Lage.
Was es bedeutet
Ein Akkord behält seine Identität, gleichgültig welcher seiner Töne unten liegt. Die Umkehrung besteht darin, den tiefsten Ton eine Oktave nach oben zu versetzen, sodass der nächsthöhere Akkordton in den Bass rückt. Aus dem Dreiklang c–e–g wird so e–g–c und danach g–c–e. Funktionstheoretisch ändert sich dabei nichts: Alle drei bleiben die Tonika (I) in C-Dur. Was sich ändert, ist die klangliche Festigkeit und das, was der Bass melodisch tut. Entscheidend ist allein der tiefste klingende Ton, nicht die Reihenfolge der Oberstimmen.
Im Notenbild
Die Umkehrungen tragen Namen nach den Intervallen, die über dem Bass stehen. Beim Dreiklang: Grundstellung (Grundton im Bass), Sextakkord mit der Terz im Bass, Quartsextakkord mit der Quinte im Bass. Beim Septakkord kommt eine vierte Möglichkeit hinzu — Quintsextakkord (Terz im Bass), Terzquartakkord (Quinte im Bass), Sekundakkord (Septime im Bass). In der Stufenschrift erscheinen die Ziffern als Zusatz zur römischen Zahl, in der Generalbassbezifferung stehen sie direkt unter der Bassnote, häufig verkürzt: 6 meint den Sextakkord, 6/4 den Quartsextakkord.
Musikalische Verwendung
Umkehrungen erlauben eine Bassstimme, die schreitet statt springt. Eine Folge T–Sp–S–D klingt mit lauter Grundstellungen schwerfällig; werden einzelne Akkorde umgekehrt, entsteht eine durchgehende Linie, und die Harmonien verbinden sich geschmeidig. Jede Umkehrung hat dabei ihr eigenes Gewicht. Die Grundstellung ist stabil und schlussfähig, der Sextakkord leichter und vorwärtsdrängend, der Quartsextakkord gilt als klärungsbedürftig und steht typischerweise nicht frei, sondern als Vorhalt vor der Dominante oder als Durchgang. Der Schlussakkord einer vollkommenen Kadenz steht deshalb fast immer in Grundstellung.
Abzugrenzen ist die Akkordumkehrung von der Intervallumkehrung: Dort wird ein Zweiklang umgestülpt und wechselt seine Bezeichnung (Terz wird Sexte), hier bleibt der Akkord derselbe und wechselt nur seine Lage. Ebenfalls zu unterscheiden ist die Umkehrung vom Slash-Akkord, bei dem der Basston ausdrücklich vorgeschrieben wird und auch akkordfremd sein kann.
Spielpraxis
Übe Umkehrungen nicht als Theoriewissen, sondern am Instrument: Spiele einen Dreiklang in allen drei Lagen hintereinander und höre, wie sich sein Gewicht verschiebt. Beim Begleiten ist die Faustregel, diejenige Lage zu wählen, die der vorigen am nächsten liegt — so bewegen sich die Finger wenig und der Satz klingt ruhig. Achte beim Harmonisieren darauf, den Quartsextakkord nicht beiläufig einzusetzen; er verlangt eine Fortsetzung.