Doppelfuge
Fuge mit zwei eigenständigen Themen.
Was es bedeutet
Eine Doppelfuge ist eine Fuge, die auf zwei eigenständigen Themen beruht statt auf einem. Beide Themen werden fugiert, also nacheinander in den Stimmen eingeführt, und im Verlauf miteinander kombiniert. Entsprechend spricht man bei drei Themen von einer Tripelfuge.
Musikalische Verwendung
Zwei Bauarten sind zu unterscheiden. Bei der ersten werden beide Themen von Anfang an gemeinsam eingeführt: Das eine erklingt zusammen mit dem anderen, das als fester Gegensatz dient, und beide wandern gemeinsam durch die Stimmen. Bei der zweiten wird zunächst das erste Thema in einer vollständigen Exposition durchgeführt, danach das zweite in einer eigenen, und erst im späteren Verlauf treten beide zusammen — oft als Höhepunkt des Satzes.
Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die Themen im doppelten Kontrapunkt zueinander stehen: Sie müssen ihre Lage tauschen können, sodass jedes über und unter dem anderen erklingen kann, ohne dass der Satz fehlerhaft wird. Damit die beiden Themen unterscheidbar bleiben, sind sie meist deutlich verschieden gebaut — etwa ein langsames, schreitendes gegen ein bewegtes, figuriertes.
Abzugrenzen ist die Doppelfuge von einer Fuge mit beibehaltenem Kontrasubjekt: Auch dort begleitet eine gleichbleibende Gegenstimme das Thema, doch sie wird nicht eigens fugiert eingeführt. Die Grenze ist nicht immer scharf, und die Bezeichnungen werden in der Literatur unterschiedlich streng gehandhabt. Zu unterscheiden ist außerdem die Gegenfuge, deren Kennzeichen die Umkehrung des Themas in der Antwort ist.
Bei der Anlage unterscheidet man zwei Wege: Entweder werden beide Themen von Anfang an zusammen exponiert, oder jedes erhält zunächst eine eigene Durchführung, bevor sie kombiniert werden. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass die Themen im doppelten Kontrapunkt stehen, also in beiden Lagen zueinander funktionieren. Die Tripelfuge erweitert das Prinzip auf drei Themen. ## Spielpraxis
Mach dir zuerst klar, welche Bauart vorliegt, und markiere die Einsätze beider Themen in unterschiedlicher Farbe. Gestalte die Themen verschieden, damit sie auch im Zusammenklang unterscheidbar bleiben. Und gib der Stelle, an der beide erstmals zusammentreffen, ihr Gewicht.