Andamento
Längeres Thema der Fuge.
Was es bedeutet
Andamento bezeichnet in der älteren Fugenlehre ein verhältnismäßig langes, bewegtes Fugenthema, das sich über mehrere Takte erstreckt. Das Wort ist aus dem Italienischen abgeleitet und verweist auf das Gehen, auf gleichmäßige Bewegung. Eingeführt hat den Begriff Giovanni Battista Martini 1775 im zweiten Band seines Kontrapunktlehrwerks Esemplare, ossia Saggio fondamentale pratico di contrappunto, als Teil einer Reihe von Begriffen, die Fugenthemen nach ihrer Länge unterscheiden. Ein Thema von sechs Viervierteltakten gilt danach als Andamento.
Musikalische Verwendung
Die Unterscheidung nach der Länge hat einen praktischen Sinn. Ein kurzes, prägnantes Thema lässt sich leicht engführen — also in dichter Folge mehrfach übereinander bringen — und eignet sich für einen gedrängten Satz. Ein langes Thema bietet mehr melodischen Inhalt, verlangt aber mehr Raum, und jeder Einsatz trägt mehr Gewicht. Der Aufbau einer Fuge richtet sich danach: Bei langen Themen ist die Exposition entsprechend ausgedehnt, und Engführungen sind schwieriger zu bewerkstelligen.
Längere Fugenthemen bestehen häufig aus einem prägnanten Kopf und einer fortspinnenden Fortsetzung in gleichmäßiger Bewegung. Der Kopf macht das Thema wiedererkennbar, die Fortsetzung stellt den Anschluss an die nächste Stimme her. Ein oft genanntes Beispiel ist das Thema der Amen-Fuge am Schluss von Händels Messiah.
Abzugrenzen ist der Begriff vom Subjekt als allgemeinem Namen für das Fugenthema: Jedes Andamento ist ein Subjekt, aber nicht jedes Subjekt ein Andamento.
Martini unterscheidet vom Andamento das soggetto, ein Thema mittlerer Länge, und das attacco, ein kurzes Motiv, das als Imitationspunkt dient. Die Unterscheidung beschreibt also nicht verschiedene Fugenarten, sondern die Gestalt des Themas.
Spielpraxis
Bei langen Fugenthemen hilft es, den Kopf deutlich zu profilieren und die Fortsetzung als Linie weiterzuführen, statt jeden Ton gleich zu gewichten — so bleibt der Einsatz erkennbar, ohne dass das Thema schwer wird. Markiere in den Noten jeden Themeneinsatz und prüfe, wo er endet; bei langen Themen ist das nicht immer offensichtlich.