Episode
Zwischenspiel der Fuge oder des Rondos.
Was es bedeutet
Eine Episode ist ein Abschnitt, der zwischen den Hauptteilen einer Form steht und diese miteinander verbindet. In der Fuge heißt so ein Zwischenspiel zwischen den Themeneinsätzen; im Rondo ein Teil, der zwischen den Wiederkehren des Refrains steht. Beiden ist gemeinsam, dass sie nicht das Hauptmaterial vortragen, sondern von einem Auftreten zum nächsten führen.
Musikalische Verwendung
In der Fuge ist die Episode ein Abschnitt, in dem das Thema nicht vollständig erklingt. Sie verarbeitet stattdessen Motive aus dem Thema oder aus dem Kontrasubjekt, häufig in Sequenzen, und moduliert in die Tonart des nächsten Einsatzes. Dadurch entsteht ein Wechsel von Dichte und Auflockerung: Themeneinsätze sind Konzentrationspunkte, Episoden Bewegungsräume dazwischen. Ohne sie würde eine Fuge zur bloßen Aneinanderreihung von Einsätzen.
Im Rondo ist die Episode dagegen ein eigenständiger Teil mit neuem Material, der zwischen den Wiederkehren des Refrains steht und meist in einer anderen Tonart. In der Anlage ABACA sind B und C solche Episoden; sie schaffen Kontrast, vor dessen Hintergrund die Rückkehr des Refrains wirkt. Ähnlich verhält es sich beim Ritornell im barocken Konzert, zwischen dessen Auftritten Solo-Episoden stehen.
Abzugrenzen ist die Fugenepisode von der Codetta, die kürzer ist und nur zwei Einsätze innerhalb der Exposition verbindet, und von der Durchführung im Sonatensatz, die als ganzer Formteil verarbeitet.
Im Rondo steht die Episode zwischen den Wiederkehren des Refrains; sie bringt neues Material und führt häufig in andere Tonarten, sodass der Refrain bei seiner Rückkehr als Heimkehr wirkt. In der Fuge heißen die themenfreien Abschnitte auch Zwischenspiele. In der Formenlehre des Rondos spricht man statt von Episoden auch von Couplets. ## Spielpraxis
Gestalte Episoden als Bewegung zwischen Zielen: vorwärtsdrängend, aber ohne den folgenden Einsatz vorwegzunehmen. Mach den nächsten Themeneinsatz hörbar, indem du die Episode davor leichter nimmst. Und achte bei sequenzierenden Episoden auf den Verlauf der Sequenz — sie will als Steigerung oder Beruhigung geführt werden.