Ritornell
Wiederkehrender Refrain im Konzert.
Was es bedeutet
Ein Ritornell ist ein wiederkehrender Abschnitt, der eine Form gliedert und zusammenhält. Das italienische Wort bedeutet etwa „kleine Wiederkehr". Der Begriff wird in mehreren Zusammenhängen gebraucht: für instrumentale Zwischenspiele in Vokalmusik, für Refrains in Liedformen und vor allem für den wiederkehrenden Orchesterteil im barocken Konzert.
Musikalische Verwendung
Im Konzert des Barock ist das Ritornell das tragende Formprinzip. Das volle Ensemble trägt einen charakteristischen Abschnitt in der Haupttonart vor; danach wechseln Soloepisoden, in denen der oder die Solisten mit virtuosem Material hervortreten, mit Wiederkehren des Ritornells ab. Diese Wiederkehren stehen meist in verschiedenen Tonarten und sind häufig verkürzt; erst am Schluss kehrt das Ritornell in der Haupttonart und oft vollständig zurück. So entsteht ein Wechsel von Tutti und Solo, von Bekanntem und Neuem, von Festigkeit und Bewegung.
In Arien und anderen Vokalsätzen bezeichnet das Ritornell die instrumentalen Abschnitte, die den Gesang einleiten, unterbrechen und beschließen; sie greifen meist das Material der Singstimme auf.
Die Ritornellform ist dem späteren Rondo verwandt, bei dem ein Refrain mehrfach wiederkehrt, unterscheidet sich aber darin, dass das Ritornell durch verschiedene Tonarten wandert und in seinen Wiederkehren gekürzt oder verändert erscheint, während der Rondorefrain meist in der Haupttonart zurückkehrt.
Abzugrenzen ist das Ritornell auch vom Basso ostinato, der ständig wiederholt wird, statt mit anderen Abschnitten zu wechseln.
Im barocken Instrumentalkonzert gliedert das Ritornell den Satz: Das Orchester spielt es zu Beginn, dazwischen stehen Soloepisoden, und es kehrt in verschiedenen Tonarten wieder, bevor es den Satz in der Haupttonart beschließt. In der Oper und Kantate bezeichnet Ritornell ein instrumentales Vor-, Zwischen- oder Nachspiel zu einer Arie. ## Spielpraxis
Gestalte das Ritornell bei jeder Wiederkehr erkennbar, aber nicht identisch — es erscheint in neuen Tonarten und Zusammenhängen. Achte auf den Wechsel zwischen Tutti und Solo: Das Ensemble nimmt sich in den Soloepisoden zurück und tritt im Ritornell wieder voll hervor. Und markiere die Wiederkehren in den Noten; sie sind die Gliederungspunkte des Satzes.