Variation
Veränderung eines Themas.
Was es bedeutet
Variation bezeichnet die veränderte Wiederholung eines Themas und zugleich eine Form, die auf diesem Verfahren beruht. In einem Variationszyklus wird zunächst ein Thema vorgestellt, danach folgt eine Reihe von Variationen, von denen jede das Thema in neuer Gestalt zeigt. Was dabei erhalten bleibt und was sich verändert, bestimmt den Charakter der Form.
Musikalische Verwendung
Mehrere Grundtypen lassen sich unterscheiden. Bei der Ostinatovariation bleibt eine Bassfigur oder ein Harmoniegerüst unverändert, und die Oberstimmen wechseln mit jedem Durchgang; dieser Typ war im 17. und frühen 18. Jahrhundert verbreitet. Bei der Figuralvariation bleiben Melodie und Harmonie in ihren Umrissen erkennbar, werden aber mit wechselnden Figuren umspielt, etwa in immer kleineren Notenwerten. Bei der Charaktervariation verändert sich der Ausdruck grundlegend — Tempo, Taktart, Tongeschlecht, Satzweise —, während der Zusammenhang mit dem Thema über einzelne Merkmale erhalten bleibt. Ein häufiges Mittel ist dabei der Wechsel in die gleichnamige Moll- oder Durtonart, in Ausgaben mit minore oder maggiore bezeichnet.
Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich die freie Variation, bei der das Thema nur noch als Ausgangspunkt dient und die Veränderungen sich weit von ihm entfernen.
Abzugrenzen ist die Variation von der motivisch-thematischen Arbeit: Diese zerlegt ein Thema in Motive und verarbeitet sie einzeln, jene verändert das Thema als Ganzes und behält seine Gliederung meist bei.
Die Variation ist eine der ältesten Formen der Instrumentalmusik. Grundlage ist ein Thema, das in einer Folge von Abwandlungen erscheint: melodisch verziert, rhythmisch verändert, harmonisch umgedeutet oder in eine andere Tonart gesetzt. Man unterscheidet Variationen über einen gleichbleibenden Bass wie Passacaglia und Chaconne von Variationen über eine Melodie. Große Zyklen der Klavierliteratur zeigen die Form in ihrer ganzen Breite. ## Spielpraxis
Mach dir bei jeder Variation klar, was vom Thema erhalten ist — Melodie, Bass, Harmonie oder nur die Gliederung —, und lass dieses Gerüst hörbar werden. Gib jeder Variation ihren eigenen Charakter. Und plane den ganzen Zyklus als Bogen, statt jede Variation für sich zu gestalten.