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Form

Motivisch-thematische Arbeit

Verarbeitung des Themas durch Motive.

Was es bedeutet

Motivisch-thematische Arbeit bezeichnet ein Kompositionsverfahren, bei dem ein Thema in seine kleinsten Bausteine, die Motive, zerlegt wird und diese einzeln weitergeführt, verändert und neu kombiniert werden. Der Satz entsteht so nicht durch die Aneinanderreihung neuer Gedanken, sondern durch die Entfaltung eines begrenzten Materials.

Musikalische Verwendung

Die Verfahren sind zahlreich. Ein Motiv kann wiederholt oder auf anderer Stufe sequenziert werden; es kann in seinen Intervallen verändert, umgekehrt, vergrößert oder verkleinert werden; es kann abgespalten werden, sodass nur ein Teil weitergeführt wird, der dann immer kürzer wird; es kann mit anderen Motiven kombiniert oder kontrapunktisch gegen sich selbst gesetzt werden. Jedes dieser Verfahren erhält die Verwandtschaft zum Ausgangsmaterial und verändert zugleich dessen Gestalt.

Sein wichtigster Ort ist die Durchführung des Sonatensatzes, in der das Material der Exposition auf diese Weise verarbeitet wird. Die Wiener Klassik gilt als die Zeit, in der das Verfahren seine prägende Gestalt erhielt; es wirkte aber weit darüber hinaus und bestimmt große Teile der Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Aus ihm entwickelte sich auch die Vorstellung, dass ein ganzes Werk aus einer einzigen Keimzelle hervorgehen könne.

Der Gewinn des Verfahrens ist Zusammenhang: Da alles aus demselben Material stammt, hängen auch weit auseinanderliegende Abschnitte miteinander zusammen, selbst wenn sie verschieden klingen.

Abzugrenzen ist die motivisch-thematische Arbeit von der Variation, die ein Thema als Ganzes verändert, statt es zu zerlegen, und von der Fortspinnung des Barock, die einen Gedanken in gleichmäßiger Bewegung weiterführt.

Das Verfahren wird besonders mit Haydn und Beethoven verbunden, später mit Brahms, dessen Technik Schönberg als entwickelnde Variation beschrieb. Ziel ist, einen ganzen Satz aus wenigen Keimzellen zu entwickeln. ## Spielpraxis

Suche beim Erarbeiten, aus welchem Motiv eine Stelle stammt — das gibt ihr Richtung und Zusammenhang. Gestalte Abspaltungen als Verdichtung. Und nutze das Erkennen der Motive beim Auswendiglernen; wer weiß, woraus ein Satz gemacht ist, behält ihn sicherer.