Generalbass
Beziffertes Bassmodell des Barock.
Was es bedeutet
Der Generalbass ist eine Satz- und Notationsweise, bei der nur die Bassstimme ausgeschrieben wird, versehen mit Ziffern, die die darüber zu spielenden Harmonien angeben. Die Ausführung der Akkorde bleibt dem Spieler überlassen.
Im Notenbild
Die Ziffern stehen unter der Bassnote und zählen die Intervalle über ihr. Fehlt eine Ziffer, ist der Dreiklang in Grundstellung gemeint; 6 steht für den Sextakkord, 6/4 für den Quartsextakkord, 7 für den Septakkord mit den Umkehrungen 6/5, 4/3 und 2. Vorzeichen neben einer Ziffer verändern den betreffenden Ton, ein Vorzeichen allein bezieht sich auf die Terz. Ziffernfolgen wie 4–3 zeigen Vorhalte an.
Musikalische Verwendung
Vom frühen 17. bis ins späte 18. Jahrhundert war der Generalbass die Grundlage nahezu aller Ensemblemusik, und die ganze Epoche wird danach gelegentlich Generalbasszeitalter genannt. Mit ihm veränderte sich das Denken über Musik grundlegend: An die Stelle gleichberechtigter Stimmen trat ein Satz aus Oberstimme und Bass mit füllenden Akkorden, und der Zusammenklang wurde zur eigenständigen Größe. Die Harmonielehre späterer Zeit ist aus diesem Denken hervorgegangen.
Zugleich war der Generalbass eine Schule. Wer ihn beherrschte, konnte am Instrument einen Satz entwerfen, begleiten und improvisieren; Lehrwerke der Zeit behandeln ihn als Grundlage der Komposition. Diese Verbindung von Theorie und Spiel ging später weitgehend verloren.
Weitere Bezeichnungen
Basso continuo, verkürzt Continuo, ist die italienische Bezeichnung derselben Praxis. Mit Continuo wird oft auch die Gruppe der ausführenden Instrumente bezeichnet, etwa Cembalo oder Orgel zusammen mit Violoncello, Fagott oder Laute. Das Wort betont den ununterbrochen durchlaufenden Bass, während Generalbass auf die allgemeine, für alle Stimmen gültige Grundlage verweist.
Spielpraxis
Lies die Ziffern als Abstände vom Bass, nicht als Griffbilder. Beginne dreistimmig in enger Lage, bewege die Hand möglichst wenig und lass der Oberstimme Raum. Und übe den Generalbass auch ohne Ensemble: Er schärft das harmonische Denken für jedes Repertoire.